Dorner
MARIE CHRISTINE DORNER

"Wie meine engsten Freunde"

Wer viel in der Welt unterwegs ist, dem eröffnen sich neue Horizonte. Ein Weg, den auch die Französin Marie Christine Dorner für sich wählte. Paris, Tokio, London sind die Stationen, die ihren Werdegang und ihr Designverständnis nachhaltig prägten. Dabei stellt sie an ihre Entwürfe ähnlich hohe Ansprüche wie an gute Freunde.

Wer auf der imm cologne dem Stand von Ligne Roset einen Besuch abstattete, dem fiel neben einer stattlichen Reihe weiterer Neuheiten vor allem auch das schmucke Sofa ‘Cover’ ins Auge. ­Dessen Besonderheit besteht in einer ­volumigen, gesteppten und abnehmbaren Samt-Housse. Eine clevere und nachhaltige Idee, ein Polster immer wieder anders ­aussehen zu lassen, ohne gleich das ganze Möbel auszutauschen zu müssen. Ein Entwurf der Französin Marie Christine Dorner, die nicht das erste Mal mit einem über­raschenden Produkt bei Ligne Roset ­vertreten war. ­Bereits mit der Idee ihres ­sogenannten ‘Koya’-Desk, einem Schreibtischmöbel, ­verblüffte die Designerin. ­Dessen hoch­gezogenen Seitenteile definierten gewissermaßen einen Raum, der sich mit Stoffbahnen beliebig schließen, bzw. öffnen ließ – je nach Konzentrationsbedürfnis des Nutzers. Sie sagt von sich selbst, dass das Reisen ihren Werdegang und die Art, wie sie die Dinge sieht, am nachhaltigsten geprägt hat. Im Alter von 25 beschloss sie, erst einmal die Welt zu erkunden, und begann ihre Reise in Tokio. Ein Jahr verbrachte sie dort und setzte sich intensiv mit der Kultur und dem Designverständnis der Japaner auseinander. Ein Ereignis, das ihr „Denken nachhaltig veränderte“, war das Treffen und die anschließende Zusammenarbeit mit Teruo Kurosaki, einem wichtigen und einflussreichen Designer in Japan. Für ihn ent­wickelte sie eine Reihe von Origami ­inspirierten Metallmöbeln, die nicht nur in Japan viel Beifall ernteten.
Auch in London verbrachte die Kosmo­politin 12 Jahre, bevor sie sich, zurück in Paris, 2008 mit ihrem eigenen Studio selbstständig machte. Heute arbeitet sie neben Ligne Roset für Unternehmen wie Montis, Zeus, Baccarat, Idée oder Tarkett. Zu ihrer Handschrift gehört das Mixen unterschiedlicher Stile ebenso wie ihr subtiler Umgang mit Farben. Inspiration findet sie oft im spezifischen Know-how der ­Hersteller, für die sie tätig ist. „Zudem denke ich Entwürfe immer im Raum. Es ist mir wichtig, dass ein Produkt von allen Seiten seine Schönheit und Faszination entfaltet. Darüber hinaus hat sie an ihre Entwürfe ungewöhnlich hohe Ansprüche: „Ich stelle an die Objekte, die ich entwerfe, die ­gleiche Forderung wie an meine ­engsten Freunde: Ich mag sie mal stark und ­spritzig, mal ­zurückhaltend und loyal, aber immer klug.“   

Heike Gessulat



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