Portrait
Hanne Willmann

Emotional trifft Rational

Zwei Herzen schlagen in Hanne Willmanns Brust: das Emotionale und das Rationale. Beide Seiten sind ihr wichtig. Wir sprachen mit der Designerin darüber, wie sie beides in Einklang bringt, über die bereichernde Zusammenarbeit mit der Betten-Manufaktur Schramm, und welche Erfahrungen sie in Mexiko bei einem Projekt mit lokalen Handwerkern sammelte.

Schon in der Schule?zeigten sich ihre Neigungen ziemlich deutlich. Hannes Lieblingsfächer: Kunst und Physik. Vermutlich nicht ganz unbeeinflusst durch ihre Eltern. Ihre Mutter restauriert Möbel, ihr Vater ist Ingenieur. Auf der einen Seite das Künstlerisch-Kreative, auf der anderen das Gesetzmäßig-Rationale – zwei Seiten, die in Hannes Entwürfen wie selbstverständlich zu einem Ganzen verschmelzen. „Ich bin ein sehr emotionaler Typ, und wenn ich etwas erschaffe, ­möchte ich, dass man es lieben kann. Aber genauso interessieren mich auch Herstellungstechniken und Konstruktion“, erklärt die Wahlberlinerin ihren Designansatz, den ihre Produkte widerspiegeln. So zum Beispiel der Lounge-Sessel ‘Lenz’, entworfen zusammen mit Silvia Terhedebrügge, produziert von dem jungen Berliner Label Bartmann. Zwei sanft gebogene Holzschalen, Rückenlehne und Sitz, gepolstert mit abgesteppten Kissen, zusammengehalten durch ein raffiniert gebogenes Untergestell. Eigenständig sieht er aus, fast ikonisch und doch simpel und logisch.

Seit 2015 betreibt Hanne ihr eigenes Designstudio in Berlin. Im selben Jahr gewinnt sie den German Design Award ‘Newcomer Finalist 2016’. Noch während des Studiums, Universität der Künste, Berlin, und Elisava, Barcelona, absolviert sie ein Praktikum bei Autoban in Istanbul. „Eine sehr intensive Zeit, auch wenn wir weniger im Studio waren, als zum Demonstrieren im Gezi-Park.“ Später arbeitet sie u.?a. bei Werner Aisslinger und übernimmt schon kurz nach ihrem Master einen Lehrstuhl an der Hochschule in Dessau. „Ja, ich bin ziemlich zielstrebig.“
Seit 2017 lehrt sie neben der Arbeit im ­eigenen Studio zudem an der UDK, ­Berlin, legt jetzt allerdings eine Pause ein. Die Aufträge nehmen zu, die Zeit wird knapper. Zu den Herstellern, für die sie arbeitet, gehört auch Schramm. Eine zufällige Begegnung mit Angela Schramm vor gut zwei Jahren inspiriert sie dazu, ein Bett für die Manufaktur zu entwerfen, das direkt in Produktion geht. „Wir haben uns auf Anhieb super verstanden. Ich empfinde es als Ehre, für ein Unternehmen wie Schramm zu arbeiten. So eine Qualität findet man kaum irgendwo auf der Welt.“

Erfahrungen völlig anderer Art sammelt sie während einer Reise zur Design Week Mexiko auf Einladung der Deutschen Botschaft. Durch den Austausch mit lokalen Kunsthandwerkern entsteht das spannende Projekt ‘La Familia’. Tableware aus Ton, entstanden in Kooperation mit einer Handwerksfamilie. „Eine tolle Geschichte – sieben Brüder, und jeder beherrscht eine andere Technik!“ Deutscher Minimalismus trifft auf mexikanische Töpferkunst.So ­unterschiedlich ihre Entwürfe sind – was sie verbindet, ist Eigenständigkeit und Klarheit, gepaart mit sympathischer Bescheidenheit.              

Heike Gessulat

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