Esignerportrait
PROJEKTTRIANGLE DESIGN STUDIO

Die Identitätsstifter

Sie zählen zu den 30 kreativsten Design-Studios Deutschlands, sind in ganz unterschiedlichen Disziplinen unterwegs und es gelingt ihnen trotz anspruchsvoller Kundenliste und Lehrtätigkeiten sich noch eigenen Herzensprojekten zu widmen. Wir sprachen mit Martin Grothmaak, Mitbegründer der Stuttgarter Kreativ-Schmiede Projekttriangle, über die Identität von Marken, die Atmosphäre schöner Räume, die neue Kommunikations­strategie für BoConcept und warum es wichtig ist, sich immer wieder Freiräume zu schaffen.

„Wir ergänzen uns gut und lernen nie aus“, sagt Martin Grothmaak auf die Frage, wie man es schafft, zu dritt über einen so langen Zeitraum gemeinsam ein Studio zu führen. „Es ist wie in einer Beziehung. Man muss offen und neugierig bleiben und an sich arbeiten.“ Deshalb sieht der Kreative Coachings (für sich selbst oder im Team) als selbstverständlichen Teil des gemeinsamen Arbeits- und Entwicklungsprozesses. Seit 20 Jahren sind Martin Grothmaak, Danijela Djokic und Jürgen Späth ein Team. Gegründet haben sie ihr in Stuttgart ansässiges Design Studio Projekttriangle noch in Studienzeiten. Über die Jahre ist es nicht nur an Mitarbeitern gewachsen (15), auch der Horizont hat sich immer mehr erweitert. Alle drei haben visuelle Kommunikation studiert, Martin Grothmaak zudem Fotografie und Film, arbeiten aber seit Langem interdisziplinär ? von der identitätsstiftenden Markenberatung über Corporate und Store-Design bis zur Buch- und Raumgestaltung. Namhafte Unternehmen wie Daimler, Lufthansa oder DM Drogerie Markt verlassen sich auf ihr Know-how, darunter auch einige Unternehmen aus der Interior-Branche, wie Walter Knoll, de Sede, Schotten & Hansen und BoConcept. Für den dänischen Homefurnisher übernahmen sie die Entwicklung einer B2B-Kommunikationsstrategie, um die neuen Anforderungen der sich wandelnden Möbel-Branche besser zu meistern. Gemeinsam mit ­Hollin+Radoske Architekten konzipierten sie auch den Messe-Stand auf der Orgatec, an der die Dänen erstmals teilnahmen, um ihr an die neuen Bedürfnisse der Arbeitswelt angepasstes Sortiment dem Contract-Markt zu präsentieren. Ein offener Stand, von drei Seiten begehbar, dessen sieben für ein modernes Unternehmen wesentliche Arbeitsfelder sich um ein im Zentrum liegendes Haus gruppierten. „Schon seit Längerem beobachten wir bei immer mehr Unternehmen ein Umdenken bezüglich der Gestaltung ihrer Arbeitsräume“, erklärt Danijela Djokic. „Gute Ideen entstehen in den seltensten Fällen am Schreibtisch vor einem weißen Blatt Papier. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschmelzen zusehends. Was bleibt, ist Lebenszeit. Besonders die kreativen Unternehmen begegnen dieser Erkenntnis mit offenen Konzepten.“ Christian Malkemper, B2B Director BoConcept, lobt die Arbeit von Projekttriangle. „Die ­große Strahlkraft des Messestands war perfekt im Einklang mit der neuen Pre­mium-Ausrichtung. Wir sehen hier eine Menge neuer Maßstäbe und Inspirationen für die Inszenierung der Marke.“ Die Erkenntnis, dass die Arbeitsumgebung Spaß machen muss, hat Projekttriangle selbstverständlich auch im eigenen Office umgesetzt.
„Hier ist zum Beispiel unsere Kunstsammlung untergebracht und ganz viele Dinge, die wir persönlich mögen.“ Firmensitz ist eine alte ­Villa mitten auf der Karlshöhe. Hier werden Positionen erörtet, Kundengespräche geführt, Kommunikationskonzepte und Designstrategien geschmiedet. Ganz wichtig, so Grothmaak, sich zwischendurch immer wieder Freiräume zu schaffen.
„Etwa mir die Freiheit zu nehmen, bei ­einer Paris Reise einfach noch einen Tag anzuhängen. Und ? den eigenen Passionen Raum geben. Das fließt als kreativer Input wieder in die Arbeit ein.“ Die Grenzen sind fließend. Soeben hat der leidenschaftliche Fotograf in der Galerie Kernweine, Stuttgart, eine Ausstellung mit großformatigen Arbeiten gezeigt. Weiteres Herzensprojekt:
ein eigener Kunst- und Design-Verlag, den die Studio-Partner eigenständig gegründet haben. Alle drei lehren (oder lehrten) neben der eigentlichen Arbeit noch an verschiedenen Hochschulen. Zu den  jüngeren Gemeinschaftsprojekten gehört außerdem das Buch „Officina Humana“ (demnächst in 3. Auflage erhältlich), realisiert mit den Autoren Jan Teunen, Christoph Quarch und Andreas Kulick, das schon mehrere Preise einheimste. Dabei geht es um die Zukunft des Office und die Frage, wie Räume Schöpfergeist und Kreativität beflügeln können. Doch was ist es eigentlich genau, was gute Räume ausmacht? Grothmaak: „Raum ist atmosphärische ­Information aus Architektur, Material, Farbe und Licht. Auf die Gesamtkomposition kommt es an. ? Man kann es im Bauch spüren, wenn ein Ort schön ist.“   

Die Fragen stellte Heike Gessulat





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