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Katrin de Louw / Trendfilter

Spürnase für Material- und Designtrends

Kreative Strategin und Trendscout: Katrin de Louw berät mit ihrer Agentur Trendfilter seit über 20 Jahren die Industrie in Sachen Möbel-, Design-, Material- und Oberflächentrends. Doch damit nicht genug: Neben der Consulting-Arbeit und verschiedenen Branchen-Events steht die studierte Innenarchitektin auch hinter diversen Interior-Projekten. Auf der vergangenen Interzum verantworteten sie und ihr Team zudem Konzeption und Realisierung der Sonderschau „Piazza Surfaces & Wood Design“.

Frau de Louw, Sie haben sich auf Mate­rial-­ und Oberflächentrends spezialisiert – was fasziniert sie speziell an diesen Themen und wo holen Sie sich Inspira­tion und Input?
Katrin de Louw: Material und Oberfläche sind immer der erste Eindruck und entscheidend für den Markterfolg eines Produktes sowie für die Atmosphäre in der Innenarchitektur. Wir erleben die Umgebung mit allen Sinnen. In Zeiten der Digitalisierung gewinnt das extrem an Bedeutung.

Welche Trends und Entwicklungen aus der jüngsten Zeit finden Sie besonders überraschend, bemerkenswert und zukunftsträchtig?
Katrin de Louw: Es ist wichtig zu begreifen, dass wir zukünftig nicht zwischen „echten“ und „unechten“ Materialien ­unterscheiden werden, sondern die Möglichkeiten der Technik uns auch neue, nach­haltige ­Materialien bescheren wird. Hier ist ein Umdenken nötig.
Auch ist Cradle to Cradle keine „Design­philosophie“ Einzelner mehr, sondern die ­Zukunft unseres Designs und unseres ­Umganges mit Material und Rohstoff. Die Industrie wird verstehen müssen, dass ihre Produkte nicht irgendwann auf dem Müll landen dürfen. Sondern Systeme geschaffen werden müssen, ausgediente ­Produkte zu recyceln und wieder in den ­Materialkreislauf zurückzuführen.
Darüber hinaus müssen ausschließlich nachwachsende Rohstoffe eingesetzt ­werden. Hier ist ein riesiger Umbruch im Gange, der erst am Anfang steht und die Industrie extrem herausfordert. Aber es ist auch eine Chance und extrem spannend!

Gibt es etwas, was Sie sich in Sachen Nachhaltigkeit wünschen würden?
Katrin de Louw: Wir sind jetzt an dem Punkt, wo die Branche begreift, dass die Zeit des Greenwashing Ihrer Produkte im Marketing vorbei ist. Und dass die Planer und Verbraucher kritisch sind, Dinge wie Herkunft und Produktion tatsächlich hinterfragen. Jetzt beginnen die Hersteller wirklich, nach Möglichkeiten der ökologischen Materialgewinnung und Verarbeitung zu suchen. Damit beginnt der Prozess gerade erst richtig. Das ist wunderbar.

Unter dem Namen Colornetwork (CNW) wollen Sie eine Service-Plattform für Interior Design etablieren. Was genau steckt dahinter? Und wen wollen Sie damit ansprechen?
Katrin de Louw: Das Colornetwork verknüpft namhafte Hersteller über eine langzeitgültige Farbe, die einmal im Jahr durch ein Expertengremium gewählt wird. Diese ist sehr ruhig, kompatibel für viele Interieurs und Designs und passt gut zu aktuellen Material-Entwicklungen. Es ist also keine Trendfarbe, sondern eine bedeutende Umfeldfarbe oder auch „Nichtfarbe“, die etwa zehn Jahre Gültigkeit in der Architektur behält. Ziel ist es, langfristig alle Produkte des Innenraumes miteinander farblich zu verknüpfen: Bauelemente, Materialien, Möbel, Leuchten, Textilien, Lifestyle-Produkte. Der Architekt bekommt dann bei uns den passenden Fußboden zur Arbeitsplatte oder die Leuchte zum Möbel.
Darüber hinaus verpflichten sich die Hersteller des CNW, ein „Sustainability Statement“ zu Ihrem Produkt abzugeben. Das ist ein wesentlicher Aspekt. Dem Innenarchitekten wird es so erstmalig umfassend möglich zu erfahren, wo und wie das Produkt produziert wird, was genau darin ist, wie lang der zu erwartende Lebenszyklus ist und was damit im Anschluss passieren kann. Es ist ein großartiges Projekt, das kurze Lieferwege fördert, aber auch Produkt-Transparenz und Marktvielfalt.
Durch den Zusammenschluss in diesem Netzwerk werden außerdem Farb­einstellungen möglich, die es sonst am Markt so nicht gäbe. Auch das ist in Zeiten der Konzentration ein wichtiger Aspekt. Wir bauen gerade das Netzwerk auf und werden ab November 2019 mit ­
www.colornetwork.org online gehen – und hier die Produkte sowohl für Innenarchitekten, Verarbeiter und Innenausbauer als auch Endverbraucher zugänglich machen.

Mit dem Servicepoint A30 in Bünde gehören Sie außerdem einem Netzwerk für die Einrichtungsbranche an. Was sind die Ziele dieser Partnerschaft?
Katrin de Louw: Den Servicepoint A30 ­haben wir schon vor zwölf Jahren ins ­Leben gerufen. Wir sitzen mit diesem Trendforum im Zentrum der deutschen Möbelindustrie in Ostwestfalen, direkt an der „Küchenmeile“. Hier haben sich namhafte Unternehmen unter der Leitung von Trendfilter zusammengetan, um dreimal im Jahr Ihre Kunden aus der Möbelindustrie zu ­empfangen und sich mit ihnen über die Zukunft des ­Wohnens, des Arbeitens sowie zu ­neuen Material- und Produkttrends auszutauschen.
Aber die Informationen, die man dort erhält sind noch wesentlich vielfältiger. Eines der drei Events, der „Kurze Prozess“, ist unser jüngstes Format und bespielt ausschließlich technische Themen, während die anderen zwei Events vor allem auf Design- und Marketingthemen fokussieren. Die ­Referenten kommen teilweise aus anderen Branchen, um neue Impulse zu geben. Das ist mir besonders wichtig, denn ich denke immer übergreifend und sehe dabei viele Potenziale für unseren Bereich.
In dem 600 qm großen Servicepoint A30 ist zudem Platz für die Ausstellung der Netzwerk-Partner und Events, die über ­unsere Tätigkeit hinaus gehen.
Wir begrüßen dort außerdem gerne ­Studenten/-Innen der Innenarchitektur oder Tischler-Innungen. Auch Innenarchitekten sind von unseren Netzwerk-Partnern aus der Zuliefererindustrie zu den V­eranstaltungen herzlich eingeladen, die da sind: ­Christian Kröger, Conal, Continental, ­Cosma, Europlac, Hera, Linak, Neelsen, Remmers, Sonae Arauco, Schatt­decor, SWL und Westag und Getalit.

Zum Abschluss: Verraten Sie uns noch Ihr persönliches Lieblingsmaterial?
Katrin de Louw: Holz und Kieselsteine. ­
So einfach, so gut, so hand- und fußschmeichelnd.

Die Fragen stellte Brit Dieckvoss



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