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Cubik3

Die Traumschiff-Crew

Die Kreuzfahrt-Branche hat in den letzten Jahren einen gigantischen Boom erlebt. Und einen ­beachtlichen Imagewandel vollzogen. Weg von der Senioren-Reise für Gutbetuchte, hin zum aufregenden Lifestyle-Erlebnis für jeden. Damit einher geht die Gestaltung der Premium-Schiffe auf allerhöchstem Niveau. Dank Design-Profis wie Cubik3. Wir sprachen mit Jochen Hagen, Mitgründer des Innenarchitekturbüros mit Sitz in Hamburg-Altona über Traumschiffe, die Krise und die ersten Schritte in die faszinierende Welt der Mega-Yachten und Luxus-Liner.


Wie manchmal im Leben, begann alles mit einem Zufall. Kurz nach Gründung ihres Hamburger Innenarchitekturbüros Cubik³ vor rund 20 Jahren lernte einer der Partner – über einen Schulkontakt der Tochter – den Architekten Wilfried Köhnemann kennen. Einigen eventuell noch als TV-­Moderator von einer der ersten Serien über Innen­architektur bekannt. Köhnemann war ­damals als Chefdesigner für den Innenausbau der Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd, u.a. die „MS Europa“, verantwortlich. Und er bat die jungen Kreativen, ihn hin und wieder bei der Planung der Schiffe zu ­unterstützen. So sammelten die Interior-Profis erste ­Erfahrungen in der Kreuzfahrt-Welt.
Schon kurze Zeit später klopfte Phoenix Reisen („Das Traumschiff“) bei Cubik³ an, erinnert sich Mitinhaber Jochen Hagen: „Das Unternehmen hatte gerade ein Schiff in ­Japan gekauft und suchte ­Innenarchitekten mit Know-how für den Umbau. Wir trafen uns zum Gespräch und nur eine Woche ­später ­flogen wir nach Japan mit der Order, das Schiff umzubauen.“ Für das Team eine große Nummer und ein beachtlicher Auftrag. Dass Cubik³ dabei einen erstklassigen Job ­machte, sprach sich schnell herum. Und so kam auch Hapag Lloyd mit weiteren Auf­trägen, andere namhafte, internationale Cruise-Unternehmen kamen hinzu.
Über zwei Jahrzehnte erarbeiteten sich die Innenarchitekt:innen schließlich eine umfangreiche Expertise auf dem Gebiet der Kreuzfahrtschiff- und Megayacht-Planung. Dabei befassen sie sich neben der Gestaltung und Umsetzung von Kabinen, Suiten, Gastronomie-Bereichen und Erlebniswelten auch mit der funktionalen Planung unter Berücksichtigung sämtlicher Regularien, die einen reibungslosen Ablauf an Bord ermöglichen. Verantwortungsvolle Aufgaben, die neben der Leidenschaft für Gestaltung auch viel Kenntnis etwa in Sachen Materialauswahl und Einhaltung von Normen erfordern.
Zu den „Kronjuwelen“ unter den Schiffen gehören die „MS Europa“ (5 Sterne plus) sowie die „Europa 2“. Beide werden von Cubik³ seit Jahren betreut. Dazu gehört ebenfalls, dass die Schiffe alle zwei Jahre zu festgelegten Werftzeiten komplett überholt und teilweise neu- bzw. umgestaltet werden, um das extrem hohe Niveau zu halten und den anspruchsvollen Wünschen der Gäste gerecht zu werden. „Die zwei bis drei ­Wochen werden auch genutzt, um bestimmte ­Bereiche umzubauen. Da wird dann zum Beispiel aus einem Fitness-Bereich eine Austern-Bar“, erläutert Hagen.
So wie die gesamte internationale Hotellerie, liegt nun allerdings auch die Kreuzfahrt-Industrie Corona-bedingt seit über einem Jahr mehr oder weniger brach. Für Cubik³ bedeutete dies, dass lange im Voraus kalkulierte Werftzeiten im vergangenen Jahr erstmals weggefallen sind. Ein herber Einschnitt, den das Team, das mittlerweile auf eine rund 14-köpfige Crew angewachsen ist, erstmal verkraften musste (arcade 2/21,S.14). Glücklicherweise sind die Planungen für einige Projekte in der Flusskreuzfahrt, u.a. für eine englische Reederei, weitergelaufen. Darüber hinaus sind die Innenarchitekt:innen im Bereich der Hotel- und Gastronomie-Gestaltung sowie im Healthcare-Bereich aktiv. Im Health-Segment geht es um die Planung von zwei Kinderwunsch-Zentren in Berlin und Düsseldorf, zudem gestalten sie eine Reha-Klinik in Boltenhagen. Außerdem wird parallel an zwei Hotels gearbeitet: einem an der Küste, einem in Flensburg. „Der Tourismus im eigenen Land wird mit Sicherheit gestärkt aus der Krise hervorgehen“, ist Hagen überzeugt. Auch das beliebte, in der Vor-Corona-Zeit permanent ausgebuchte „Strandgut Ressort“ in St. Peter Ording trägt die Handschrift von Cubik³. Und In Hamburg haben die Kreativen kürzlich die „Puzzle“-Bar von Sterne-Koch Kevin ­Fehling konzipiert, der ganz in der Nähe seinen ­Kulinarik-Tempel „The Table“ betreibt. Die coole, neue Bar-Location, spektakulär gelegen im 15. Stock des Campus-Tower in der HafenCity, dürfte sich schnell zum Hotspot in der Hansestadt entwickeln.
Wann und wie es mit der Kreuzschifffahrt weitergeht, lässt sich zur Zeit schwer einschätzen. Zumal die boomende Branche schon seit langem ein Nachhaltigkeits-­Problem hat. Doch die Bemühungen umweltfreundlichere Konzepte umzusetzen sind längst angelaufen. Bleibt zu wünschen, dass den Traumschiffen erneut ein Imagewandel gelingt. www.cubik3.de

Heike Gessulat


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