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SEBASTIAN HERKNER

„Es soll ein offenes Haus sein“

Nun ist es offiziell: Sebastian Herkner wird ‘Das Haus’ auf der kommenden imm cologne gestalten. Eine Top-Wahl. Denn der begabte, junge Gestalter gehört derzeit zu den kreativsten Köpfen Deutschlands und hat – ganz nebenbei – einen leisen Wandel im Design eingeleitet. Weg von der strengen, deutschen Bauhaus-Kultur, hin zu einem charmant-poetischen Stil. Wir sprachen mit ihm über erste Vorstellungen von seinem ‘Haus’, das vor allem eins rüberbringen soll: Offenheit und Gastfreundlichkeit!

Sebastian, vor gut vier Jahren haben wir erstmals über dich be-richtet, weil wir uns in deinen ‘Bell Table’ von Classicon verliebt hatten. Seitdem hast du eine rasante Karriere hingelegt. Wie groß ist deine Freude, auf der nächsten imm co­logne ‘Das Haus’ zu gestalten?
> Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut, weil es eine große Ehre ist. Vor allem, weil ich durch meinen Werdegang und die Teilnahme am D3 Contest einen ganz engen Bezug zur Köln-Messe habe.

Hast du schon erste Ideen, was dein ‘Haus’ kommunizieren soll? Was liegt dir besonders am Herzen?
> Mein ‘Haus’ soll offen, gastfreundlich und transparent sein und keine starren Mauern haben. Auslöser für diese Idee ist die aktuelle Flüchtlings- und Asylproblematik und damit verbundene Abschottungstendenzen.

Also ein Ansatz, mit deinem Entwurf auf das zu reagieren, was gerade in der Welt passiert?
> Sicherlich ist es nicht ganz einfach, diese politische Komponente im ‘Haus’ umzusetzen. Aber wenn man generell ans Wohnen denkt, gibt es ja unterschiedlichs-te Modelle. Mobile, offene Häuser wie Jurten und Zelte, in denen gewohnt und bewirtet wird. Früher bei den Großeltern war es ja oft noch so, dass die Haustür nicht abgeschlossen war. Da klopfte der Nachbar und kam rein. Auf dem Land gibt’s das manchmal noch. Ganz im Gegensatz dazu werden in Großstädten derzeit Gated Communitys hochgezogen: Luxuswohnungen mit Concierge und Zaun außen rum. Da geht’s um Abschottung und Isolierung. Und dann gibt es wieder aktuelle Trends wie Airbnb, Car-Sharing und Online-Plattformen, auf denen Kreative ihre Wohnungen tauschen. Diesen Aspekt des Teilens möchte ich mit dem ‘Haus’ transportieren. Des-wegen ist es mir wichtig, dass es wirklich ein Ort zum Zusammenkommen wird. Die Küche wird dabei eine große Rolle spielen. Wenn man an Partys denkt, spielt sich ja auch meistens alles in der Küche ab.

Was wird neben deinen Erfolgs-modellen, wie z.B. ‘Bell Table’ und ‘Oda’ (Pulpo), noch im ‘Haus’ zu sehen sein? Mit Pulpo gibt es ja auch eine tolle, gemeinsame Entwicklung.
> Ja, eine wahnsinnige Entwicklung! Das ist wirklich toll. Mit Pulpo wird es auch wieder zwei, drei neue Produkte geben. Dann arbeiten wir schon seit einiger Zeit mit Dedon an einem Projekt, das erstmalig im ‘Haus’ präsentiert wird. Und es werden noch einige weitere Neuheiten zu sehen sein, die wir teilweise speziell für das ‘Haus’ entwickeln.

Deine Formensprache ist ja völlig eigenständig und steht so gar nicht in der strengen, deutschen Bauhaus-Tradition.
> Ja, Gott sei Dank, haha. (lacht)

Gott sein Dank, ganz genau. Deine Designs spielen dagegen subtil mit Farben und Materialien und haben oft etwas Poetisches.
> Genau das ist mein Vorteil. Aus diesem Grund treten viele Firmen an mich heran.

Woher nimmst du deine Ideen? Gibt es Vorbilder im Design?
> Im Design eher nicht. Mehr in der Kunst. Daraus ziehe ich sehr viel.

Welche Künstler interessieren dich momentan besonders?
> Ganz viele. Michael Sailstorfer zum Beispiel. Vor allem die jüngere Generation in Berlin, die spannende, philosophische Ansätze verfolgt. Ein weiteres Thema, das mich schon immer fasziniert hat, ist Handwerk. Das wird im ‘Haus’ auch sichtbar werden. Viele internationale Unternehmen, die derzeit auf mich zukommen, sind genau daran interessiert.

Deine sehr erfolgreiche ‘Banjooli’-Kollektion für Moroso wird ebenfalls von Hand produziert.
> Ja, in den Townships in Dakar in Senegal. Die Kollektion läuft super. Sogar so gut, dass es bei den Stückzahlen momentan Engpässe gibt. Aber der Erfolg ist toll, die Leute dort werden unterstützt und das ist das Wichtigste. Generell ist mir bei meiner Arbeit die Frage sehr wichtig: Wo und wie wird produziert? Europäische Firmen, die nur in Asien oder sonst wo fertigen, lehne ich ab, weil es da oft Parallelen zur Textil-industrie gibt. Die Flucht nach außen, nur um eine größere Marge zu bekommen, bei der aber die Qualität auf der Strecke bleibt, kann keine Lösung sein. Und Firmen wie Pulpo und Classicon zeigen ja, dass es möglich ist, in Deutschland zu produzieren.

Ist handwerklich denn hierzulande noch alles möglich?
> Es ist alles möglich. Es gibt noch viele Handwerksbetriebe, aber es werden weniger. Dadurch, dass man hier fertigen lässt, bleibt das Knowhow im Land, das ja mal sehr stark mit dem Handwerk verwurzelt war.

Handwerkstraditionen lassen sich so vielleicht auch wiederbeleben?
> Natürlich. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Betrieb im bayrischen Wald, in dem der ‘Bell Table’ hergestellt wird. Dort wird neuerdings wieder ausgebildet, weil da jetzt nonstop der Tisch produziert wird. Das ist natürlich toll für solch ein Traditions-Unternehmen, das bereits in der 14. Generation existiert.

Danke für das Gespräch, Sebastian. Wir sind schon sehr gespannt auf dein ‘Haus’.

Das Gespräch führte Heike Gessulat


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