Kaschkasch
KASCHKASCH

Strategisch bis ins Detail

Fünf Jahre KaschKasch – das muss zelebriert werden, dachten sich Florian Kallus und Sebastian Schneider, die in Köln ihr Designstudio betreiben. Zum Jubiläum stellten sie parallel zur Möbelmesse in der Galerie Ruttkowski 68 aus. Und zwar nicht nur Produkte, sondern auch die Design-Prozesse hinter den Entwürfen. Für uns Anlass, das Kreativ-Duo, deren Arbeit und Werdegang vorzustellen.  

Kennengelernt haben sich Florian Kallus und Sebastian Schneider beim ­Studium in Münster. Bei gemeinsamen Projekten stellten die Kreativen, die beide auch eine Ausbildung als Tischler absolviert haben, schnell fest, dass sie sich gut ergänzen. So lag der Gedanke, ein gemeinsames Designbüro zu gründen, nicht fern. Den Schritt in die Selbstständigkeit gingen sie strategisch an. Und zwar im Rahmen ihrer Masterarbeit, die einen Business-Plan für die eigene Firmengründung zum Thema hatte. Ein cleverer Schachzug. So konnten sie direkt nach dem Abschluss mit dem fertigen Unternehmens-Konzept inklusive Logo und Firmen-Name durchstarten. Als Wahl-Standort entschieden sie sich für Köln, passende Räumlichkeiten fanden sie in der Zollstadt. Eine alte Sattlerei mit Pferde­stall wurde zum Studio mit Modellwerkstatt umfunktioniert. Seit fünf Jahren arbeiten sie nun dort und konnten seither viele ­namhafte Kunden wie Living Divani, ­Normann Copenhagen oder Zeitraum für sich gewinnen.
Dabei nutzten sie anfänglich jede Chance, ihre Ideen einem größeren Fachpublikum vorzustellen. Vor allem der Salone Satellite diente als veritables Sprungbrett. „Das hat super funktioniert“, erklärt Florian Kallus. Dreimal hintereinander haben sie an der Mailand-Messe für Jungdesigner teilge­nommen und dort viele wertvolle Kontakte geknüpft. Etwa zu Menu, für die der Standspiegel ‘Mirror’ entstand, ihr erster Entwurf. Auch mit Normann Copenhagen entwickelte sich so eine fruchtbare Zusammenarbeit. Ergebnis: die Leuchte ‘Cap’, schon fast eine Ikone.
Auf der letztjährigen Orgatec stellte KaschKasch das raffinierte, umfangreiche Office-Programm ‘Rail’ für Zeitraum vor. „Bisher unser komplexester Entwurf“, so Florian Kallus. Vielseitige, beliebig konfigurierbare Tische aus Holz, in Natur oder softer Farbigkeit, die nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause oder in Bars und Restaurants eine gute Figur machen. Das Besondere: der wohnliche Charakter und die ­cleveren Add-ons, wie andockbare Tisch-, Regal- und Akustikelemente. Ihr jüngstes Baby, das Regalsystem ‘Zet’ für Menu, war kürzlich auf der Maison&Objet und der Stockholm Furniture & Light Fair zu ­bewundern. Auch hier zeigt sich, typisch für das Kölner Duo, die Raffinesse erst im Detail. Die filigrane Konstruktion setzt sich aus dünnen Metallstreben und U-förmigen Holzböden zusammen. Der Clou: ‘Zet’ lässt sich beliebig erweitern oder über­einanderstapeln.
Ihre Ideen entwickeln sie gemeinsam im Team, im Design-Prozess ergeben sich dann allerdings oft unterschiedliche Schwerpunkte. Während sich Sebastian ­intensiv mit der Detailarbeit, Ausarbeitung und Visualisierung auseinandersetzt, ­übernimmt Florian eher den kommuni­kativen Part. Er unterrichtet zudem Design-Studenten im Bereich Nachhaltigkeit, gibt Workshops und führt Schulkinder ans Thema Design heran. Im Studio wird derweil an 10 bis 15 weiteren Neuheiten und Produkt-Erweiterungen getüftelt. Und – wer weiß – mit Chance ist das eine oder andere bereits in Mailand auf dem Salone zu sehen.
Heike Gessulat



ENTDECKEN SIE HIER WEITERE DESIGNER-PORTRAITS Pfeil_weiss_20x15px