Imm cologne 2018

Interview mit Dick Spierenburg

Neben dem Schwerpunktthema Bad steht in diesem Jahr der Bereich Licht besonders im Fokus der imm cologne – sowohl im Angebotssegment ‘Pure Editions’ (Hallen 2.2, 3.1, 3.2 ) als auch beim neuen Format ‘Pure Architects’ (Halle 4.2). Bereits zum 3. Mal präsentieren die Kölner außerdem ein begehbares, funktionsfähiges Smart Home. Dick Spierenburg, imm-Creative-Director, über das Trendthema Licht auf der Messe.

Wenn die imm cologne?mit rund 1.200 Ausstellern vom 15. bis 21. Januar ihre Pforten öffnet, feiert dort erstmals ‘Pure Architects’ Premiere. Mit diesem ­Segment bietet die Einrichtungsmesse ab sofort alle zwei Jahre den Anbietern von innovativen Raumkonzepten die Möglichkeit, ihre Neuheiten im Umfeld des traditions­reichen ­Premium-Designformats ‘Pure’ (Hallen 10.1, 11.1, 11.2, 11.3) zu präsentieren. ‘Pure Architects’ soll zeigen, wie durch das Zusammenspiel von Produkten und Materialien aus den Bereichen Bad, Boden, Wand, Decke und Licht intelligente Raum­lösungen und ganzheitliche Wohn­welten entstehen. Das Thema Licht wird dabei ­unter zwei Hauptaspekten beleuchtet: zum einen dekorativ in vielfältigsten Formen und Designs und daneben technisch mit komplexen und komfortabel steuerbaren Beleuchtungslösungen. Der niederländische Designer Dick Spierenburg, Creative Director der imm cologne, erläutert, warum dieser Bereich momentan ein In-Thema sowohl bei Möbelmarken als auch Architekten ist.

Warum ist Licht derzeit ein so spannendes Thema für das Interior-Design?
Dick Spierenburg: Verkürzt gesagt: Weil in der Einrichtungswelt gerade vieles zusammenwächst. Die Sortimente sind nicht mehr so stark voneinander getrennt, und Licht wird immer häufiger als integraler Teil von Möbeln oder als kongeniale Ergänzung dazu verstanden. Besonders klar sieht man die Vernetzung zum Beispiel bei vielen traditionellen skandinavischen Möbelmarken, die nach Köln kommen, wie etwa Gubi oder Artek, und auch bei relativ jungen Marken wie &Tradition oder Muuto. Was der ganzen Entwicklung aber noch zusätzlichen Schwung verleiht, ist die zunehmende Verknüpfung mit digitaler Technologie.

Als Creative Director der imm cologne sind Sie verantwortlich für die Konzeption und Gestaltung verschiedener Formate des Designbereichs, der sogenannten ‘Pure’-Hallen. Wie reagiert die Messe denn auf diese Entwicklungen?
Dick Spierenburg: Grundsätzlich wollen wir bei der imm cologne alle Segmente, die zum Einrichten dazugehören, widerspiegeln – und vor allem wollen wir ihre Zusammenhänge aufzeigen. Neben dem Thema Textil ist nach unserer Meinung Licht eines der wichtigsten Themen beim Einrichten. Es ist sehr facettenreich und wurde auf der imm cologne auch schon früher berücksichtigt. Aber für uns als Messegesellschaft ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Thema vollwertig zu integrieren.

Wird es also eine Halle nur mit Licht geben?
Dick Spierenburg: Nein, uns interessiert das Licht im Kontext. Während auf anderen Messen das Thema vor allem unter fachlichen oder modischen Gesichtspunkten präsentiert wird, sehen wir es im Zusammenhang mit Möbeln und Räumen und sprechen damit die Zielgruppen der Innenarchitekten und der Endverbraucher an.

Wie soll das konkret aussehen?
Dick Spierenburg: Im ‘Pure’-Bereich haben wir für die Halle 4.2 ein neues Konzept entwickelt. Hier werden künftig alle Themen bespielt, die für das Interior-Design wichtig sind, aber nicht als Einheit mit dem Mobiliar zu verstehen sind: Bad, Boden, Wand und vor allem Licht.
Das ‘Dekorative Licht’ wird nach wie vor in den übrigen ‘Pure’-Bereichen zu finden sein, wo das Augenmerk auf der Leuchte als Einrichtungsgegenstand liegt. Aber auch hier werden wir im nächsten Jahr ­einen besonderen Fokus auf das Thema werfen und viele interessante Marken in den Hallen 2.2, 3.1 und 3.2 platzieren. In ‘Pure Editions’ geben wir ‘Das Haus’ 2018 in die Hände einer Licht-Designerin: Lucie Koldova wird einen sehr spannenden Entwurf ganzheitlichen Wohnens vorstellen, der speziell die Rolle der Beleuchtung zum Thema macht.
Außerdem werden wir der Ausstellung ‘Featured Editions’ einen neuen kreativen Impuls geben. Nur so viel: Es werden zehn Licht-Inszenierungen in einem transparenten Rahmen zu sehen sein. Und da diese Installationen einen sehr experimentellen Charakter haben werden, haben wir sie ‘Light Labs’ genannt. Wir wollen Licht zum Erlebnis machen.

Wie wollen Sie Architekten und Interior-Designer für das Thema gewinnen?
Dick Spierenburg: Wir sprechen sie gezielt an und bieten ihnen Inspiration und Information zu den Möglichkeiten ganzheitlicher Gestaltung.
Außerdem finden sie auf der imm cologne beide Facetten des Lichts: Einerseits bei ‘Pure’ und ‘Pure Editions’ das Atmosphäre schaffende ‘Dekorative Licht’ im Kontext vielfältiger Einrichtungsbeispiele, andererseits bei ‘Pure Architects’ das ‘Technische Licht’ mit dem Fokus auf Systemlösungen, auf baulich integrierte Systeme sowie auf der Vernetzung, Digitalisierung und Steuerung des Lichts, etwa über das Smart­phone. Und damit sind wir auch schon tief im Bereich Smart Home.

Spielt die neue Ausrichtung auf das ‘Technische Licht’ dem ‘Haus’ und dem Dekorativen Licht, wie Sie es nennen, nicht entgegen?
Dick Spierenburg: Nein. Der Trend geht schließlich in beide Richtungen: digital und analog. Technisch orientierte Menschen, die den Komfort und die Verknüpfung mit Medien und Haustechnik begrüßen, werden sich schnell für die Ideen, die wir im Smart Home zeigen, begeistern können. Aber es gibt eben auch viele Menschen – übrigens auch viele junge Leute –, die einer zunehmenden Technisierung ihres Lebens kritisch gegenüberstehen und ihre Wohnung bewusst so frei wie möglich von digitalen Medien und Devices halten wollen. Abgesehen natürlich – und hier scheinen sich eigentlich alle einig zu sein – von ihren Smartphones und digitalen Arbeitsgeräten. Sie fühlen sich eher zu den Wohnvisionen hingezogen, die unsere Guests of Honor der letzten Jahre im ‘Haus’ realisiert haben. Das war ja bisher immer ein analoges Haus. Und auch der Entwurf von Lucie Koldova wird da keine Ausnahme sein. Aber Licht, das wird es hier in unglaublicher Varianz und Tiefe geben.

Foto: Ob dekorativ oder digital vernetzt – Licht steht sowohl bei Möbelmarken als auch bei Architekten und Technik-Fans verstärkt im Fokus. Dick Spierenburg (l.), Creative Director der imm cologne, macht Appetit auf das Angebot der Messe diesbzüglich.

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