Jean Nouvel

Ein Louvre für Abu Dhabi

Mit rund 10 Millionen Besuchern im Jahr ist der Louvre in Paris das bestbesuchte Museum weltweit. Doch jetzt hat die altehrwürdige Kunst-Institution Konkurrenz bekommen. Und zwar in Abu Dhabi. Denn dort gibt es seit Kurzem ebenfalls einen Louvre. Rund eine Milliarde Euro zahlten die Vereinigten Arabischen Emirate für die Nutzung des Namen, sowie die wissenschaftliche Konzeption des Museums. Das grandiose, schneeweiße Bauwerk aus der Feder Jean Nouvels kann sich sehen lassen.

Strahlend weiße Kuben,?umspült von türkisfarbenem Wasser und als Krönung ein gigantisches, flaches Kuppeldach: So präsentiert sich der neue, so ganz andere Louvre, der kürzlich in Abu Dhabi seine Pforten öffnete. Entworfen von Jean Nouvel, gelegen auf der künstlich angelegten Insel Saadiyat (zu deusch: Insel des Glücks), soll das Museum den Beginn eines groß angelegten Kunst- und Kultur-Projekts markieren, das die Vereinigten Arabischen Emirate in Kooperation mit westlichen Institutionen planen. So sollen neben dem Louvre hier u.?a. noch ein Theater, ein Meeresmuseum sowie Dependancen des Guggenheim und des British Museum entstehen. Geplant von der Crème de la Crème der Weltklasse-Architekten: Norman Foster, Frank Gehry, Tadao Ando und Zaha Hadid Architects. Rund eine Milliarde Euro haben sich die Emiratis allein den Louvre Abu Dhabi
kosten lassen. Der Deal beinhaltet die Nutzung des Namens für zunächst 30 ­Jahre ebenso wie die wissenschaftliche Konzeption des Museums und den Aufbau einer eigenen Sammlung.
Jean Nouvel gelang mit dem neuen Louvre ohne Zweifel ein großer Wurf. So meisterte er das Kunststück, moderne Architektur mühelos mit der Tradition arabischer Bauten zu verbinden, indem er eine stattliche Anzahl größerer und kleinerer Quader (55 insgesamt) zu einem großen Gebäudekomplex zusammen-„würfelte“. Mit den dazwischen angeordneten Wegen erinnern die Kuben an arabische Siedlungen. Der eigentliche Clou aber ist die gigantische, kreisrunde Dachkonstruktion. Bestehend aus mehreren Schichten, die sich aus sternenförmigen Ornamenten zusammen­setzen, überspannt sie die gesamte ­Architektur wie eine umgedrehte Schale. Eine stählerne Kuppel, die zum einen das Sonnenlicht wie ein Blätterwerk filtert, ausreichend Helligkeit ins Gebäude lässt, gleichzeitig vor Hitze schützt und im ­Innern für einen zauberhaften, sich permanent verändernden „Lichtregen“ sorgt, wie Jean Nouvel es nennt.
Diese besondere Stimmung wünschte sich der Franzose auch für die Ausstellungskuben. Dabei stellte er sich eine Souk-­ähnliche Atmosphäre mit diffusem Licht vor. Als natürliche Lichtquellen dienen daher Decken aus Gussglas. Im Gegensatz zu planem Glas bewirken diese durch ihre Facettierung die gewünschte Lichtbrechung und eine diffuse Belichtung. Um dies zu realisieren, bezog der Architekt schon in einer frühen Planungsphase die Glasexperten des Saint-Gobain-Gussglaswerks in Mannheim mit ein. Gemeinsam erprobten sie die Wirkung unterschiedlicher Kombinationen von Gussgläsern, bis die gewünschten Effekte erzielt wurden. Ganze 25.000 unterschiedliche Scheibenmaße sowie 18 verschiedene Glastypen kamen zum Einsatz.
Die Grundidee des Baumeisters, einen ­kontemplativen Ort der Ruhe zu schaffen, ging auf. Tagsüber erzeugt das durch die Ornamentkuppel gefilterte, von außen eindringende Licht im Inneren eine fast mystische Atmosphäre. Bei Nacht kehrt sich die Wirkung um und die erleuchtete Kuppel sieht aus wie ein Sternenhimmel, der geheimnisvoll über dem Wasser schwebt.

Foto: Die Grundidee Jean Nouvels ist gut zu erkennen. Viele weiße Kuben unterschiedlicher Größe gruppieren sich zu einem Gebäudekomplex, der durch die stählerne Dach-Konstruktion zusammengehalten wird. Das ornamental durchbrochene Dach sorgt für zauberhafte Lichtmomente im Innern des Gebäudes.

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