Trend Micro-Apartment

Klein, aber mein

Nicht nur in Tokio oder London wird es immer enger: Auch den deutschen Großstädten geht langsam der Wohnraum aus. Die Quadratmeterpreise steigen seit Jahren an. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Singles in unseren Metropolen stetig größer – so lebt in Berlin oder Hamburg mittlerweile jeder Zweite allein. Und eine zentrale Lage der Wohnung ist für viele ein entscheidendes Auswahlkriterium. Kein Wunder also, dass Vermieter das Micro-Apartment mitten in der Stadt als lukrative Einnahmequelle entdecken. Denn fünf 20-qm-Objekte bringen mehr Miete ein als eine einzige 100-qm-Wohnung. Kleine Apartments dienen aber keineswegs nur als Notlösung aus Platzmangel – sie sind vor allem bei Jüngeren sehr beliebt. Nachhaltigkeit spielt eine wachsende Rolle. Auf einer geringeren Grundfläche fallen schließlich niedrigere Energiekosten an, die Wohnung ist außerdem in kurzer Zeit geputzt. Und auch der Minimalismus, den die Einrichtung eines Micro-Apartments erfordert, kommt der mobilen Gesellschaft entgegen. Heute Berlin, morgen London? Kein Problem, die Möbel passen in ein paar Kartons! Oder sie sind ohnehin nur gemietet und bleiben einfach da.
Bei den Älteren hingegen ist der Traum vom Eigenheim ungebrochen. Da fällt der Trend zum Mini-Haus, der seinen Ursprung in den USA hat, auf fruchtbaren Boden. Während auf der anderen Seite des Atlantiks die sogenannten Tiny Houses – „Tiny“ bedeutet winzig – oft als Pkw-Anhänger konzipiert und somit mobil sind, steigt in Deutschland vor allem die Nachfrage nach fest verbauten Häusern der nächstgrößeren Kategorie mit rund 40 bis 90 qm Grundfläche. Egal, wie klein die Häuschen sind: Sobald sie als Wohn- oder Wochenendhaus dienen, wird eine Baugenehmigung dafür benötigt. Und natürlich ein Grundstück. Deshalb werden sie bislang meist noch neben anderen Wohngebäuden aufgestellt. Die Anbieter von fertigen Tiny Houses und Modulsystemen zum Selbstbauen bieten ihre Mini-Wohneinheiten gern unter Namen wie „Single-Haus“ an. Damit verfehlen sie jedoch ihre größte Zielgruppe, nämlich die der Senioren, die sich endlich ein Eigenheim leisten möchten oder die zugunsten der nächsten Generation aus dem alten Wohnhaus in ihr kleines eigenes Reich ziehen. Micro-Apartment oder Mini-Haus – in jedem Fall müssen Möbeldesigner zukünftig umdenken. Auf 20 oder 40 qm Wohnfläche sind nicht nur üppige Polsterlandschaften und raumgreifende Schränke überdimensioniert. Schon die Grundausstattung sollte gut durchdacht sein. Findige Hersteller setzen auf Klapp- und Schiebemechanismen, mit denen Tischplatten, Regale und Schränke im Handumdrehen in der Wand verschwinden. Hochbetten erleben ein Revival. Auch Multi-Funktionsmöbel haben Konjunktur: So lassen sich ausgeklügelte Module etwa auf Knopfdruck in ein Bett, einen begehbaren Kleiderschrank und einen Schreibtisch verwandeln. Bislang sind solche eleganten Lösungen noch größtenteils im höherpreisigen Segment angesiedelt und kommen deshalb eher in Luxus-Zweithäuschen oder Firmen-Apartments zum Einsatz als in den Wohnungen studierender Singles. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Ikea und Co. mit coolen Kombinationsmöbeln oder ausfahrbaren Hightech-Küchenzeilen im Miniformat auf Kundenfang gehen.

Foto: Steffen Jänicke/Fincube GmbH

Design-Wettbewerb
„Fascin[action] – fascinated by solutions“ lautet das Motto des aktuellen International Design Award, der zu den größten Design-Wettbewerben für Studierende zählt. Derzeit werten die Veranstalter Hettich und Rehau aus Hunderten von Einsendungen die kreativsten Smart-Furniture-
Lösungen für die Wohnungen, Hotels oder Shops von morgen aus. Infos: http://www.internationaldesignaward.com/ 

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