Interview mit Pia A. Döll, Präsidentin BDIA

„Wir haben viel Verantwortung“

Seit Dezember 2019 ist Pia A. Döll neu gewählte Präsidentin des BDIA. Wir sprachen mit der leidenschaftlichen Innenarchitektin darüber, welche Schwerpunkte sie in ihrer aktuellen Position setzen möchte, wie sich das Berufsbild der Innenarchitektur gewandelt hat und wie stark die beiden Mega-Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit bereits in der Praxis präsent sind. Und – warum der Beruf des Innenarchitekten einer der schönsten und kreativsten ist.


Welche Dinge liegen Ihnen in Ihrer neuen Position persönlich besonders am Herzen? Wo wollen Sie Zeichen setzen?

Pia A. Döll: Mir ist wichtig, dass die Innenarchitekten mehr gehört und gesehen werden. Die Hochbauarchitekten stellen bundesweit die größte Gruppe und wir Innenarchitekten werden, zusammen mit den Stadtplanern und Landschaftsarchitekten, in den Architektenkammern oft weniger stark wahrgenommen. Häufig wird davon ausgegangen, dass wir uns nur um die Wohnungen reicher Leute kümmern, ein bisschen die Kissen rücken und Farbe reinbringen. Aber so ist es nicht. Es sind längst nicht nur die Reichen und Schönen, für die wir arbeiten, sondern ebenso ganz andere Nutzergruppen. Wir bauen Flüchtlingsunterkünfte, Kindertagesstätten, Busstationen oder Wartehallen – Orte die sehr wichtig sind. Deshalb ist es mir ein Anliegen, deutlich zu machen, was Innenarchitekten alles leisten. Das neue BDIA Handbuch Innenarchitektur, das im Mai 2020 erscheint, legt den Fokus auf öffentliche Innenräume. Gut gestaltete Interiors in Arztpraxen oder Rathäusern sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, hier ist gute Innenarchitektur gefordert.

Das Berufsbild der Architekten/Innenarchitekten hat in den vergangenen Jahren eine große gesellschaftliche Aufwertung erfahren. Empfinden Sie das auch so?

Pia A. Döll: Ja, und das ist auch enorm wichtig. Die gebaute Umwelt und der Innen­raum wirken auf uns alle. Und wie eine ­Gesellschaft funktioniert, hängt auch stark mit der Architektur und Innenarchitektur zusammen. Es macht etwas aus, wie das Rathaus gestaltet ist, ob die Bürger gerne hereinkommen oder nicht. Es macht einen Unterschied, wie Versammlungsstätten gestaltet sind, wie das Licht dort ist usw. Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass wir eine große Verantwortung für die gebaute Umwelt und die Menschen haben. Wir sind der Baukultur verpflichtet. Die Bundes­stiftung Baukultur zeigt das.

Pia A. Döll studierte im Anschluss an eine kaufmännische Ausbildung Innenarchitektur an der Hochschule Darmstadt und gründete 2001 das Döll Innenarchitekturbüro. Bevor sie Ende 2019 zur Präsidentin des BDIA gewählt wurde, war sie bereits vier Jahre Vizepräsidentin.

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