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Donnerstag, 17. November 2016, 09:10 Uhr
Gebr. Kufferath AG

Metallgewebe als Identitätsstifter

Teil eines 100 Mio. Euro schweren Infrastrukturprogramm für die Hafenstadt Calais ist der Neubau der Kunstschule Ecole d’Art de Calais im Stadtzentrum. Nach dem Entwurf des französischen Architekturbüros Arc.Ame erhielt sie als Zeichen des Beginns einer neuen Ära eine dreiteilige, gebogene Fassade aus goldenem Metallgewebe vom Typ 'Escale' der GKD - Gebr. Kufferath Ag.

Arc.Ame-Architekten planten auf dem 3.220 qm großen Areal ein Ensemble, zu dem auf der Rückseite in der Rue Vauxhall auch 25 Wohneinheiten mit Südterrasse gehören. Als Symbol der wiederbelebten Stadtmitte ist der dreigeschossige Bau zugleich ein Begegnungsraum mit Kunst und Künstlern, der für Schüler und Bürger zugänglich ist. Seine Bauhöhe passt sich sensibel den alten Stadthäusern an. Auf den flüchtigen Betrachter wirkt der dreigliedrige Baukörper wie drei einzelne Gebäude aus Beton, Glas und Metallgewebe. Die Glasfassaden, die über die gesamte Gebäudehöhe reichen und durch dunkle Sprossen großflächig strukturiert werden, zeigen die Leitmotive der Architekten für diesen Bau - Transparenz und Licht. Ihr subtiles Spiel variiert tageszeit- und raumabhängig und symbolisiert damit aus Sicht der Architekten das Wesen von Kunst: permanente Veränderung als Widerhall der aktuellen Umgebung und subjektive Wahrnehmung. Die leicht gebogenen Fassaden der drei Gebäudeelemente erinnern in ihrer Formgebung an nebeneinander aufgereihte Rollladenschränke. Ein Eindruck, der durch die vorgehängten Fassadenelemente aus goldfarbigem Aluminiumgewebe, die wie hochgezogene Jalousien wirken, unterstrichen wird. 

Im mittleren Gebäudeteil zieht eine 320 qm große pfostenlose Eingangshalle mit fünf Meter hoher, geschwungener Decke den Besucher in das Gebäude hinein. Die puristische Linienführung der Halle vermittelt den Eindruck maximaler Offenheit und Transparenz. Boden, Wände und Decke sind ganz in Weiß gehalten. Naturbelassenes Holz an zwei Wandtresen, die mit vereinzelten filigranen Hockern in Bordeaux und Grün zwei Wände säumen, setzen Farbakzente. In dem links von der Eingangshalle gelegenen Gebäudeteil befindet sich im Erdgeschoss ein 200 qm großer Saal für Bildhauerei und Keramikkunst. Den dritten Gebäudeflügel prägt an gleicher Stelle ein großes Atelier für Malerei. In den ersten und zweiten Etagen sind darüber hinaus zahlreiche Kursräume, Werkstätten und Ateliers untergebracht. Auch hier dominieren Weiß und Glas, gepaart mit schwarzen Fensterrahmen. Im Erdgeschoss des zehn Mio. Euro teuren Baus laden temporäre Ausstellungen und eine neue Kunstbibliothek zum Verweilen ein.

Die Konstruktion aus Fertigbetonteilen verdeutlicht die skulpturale Dimension des Gebäudes. Ihre raue Oberfläche bildet einen bewussten Kontrast zu dem glatten Glas und dem Glanz der metallischen Haut. Diese Metallfassade verstehen die Architekten als zentralen Bedeutungsträger und architektonische Signatur. Ihr warmer Goldton steht dabei stellvertretend für die Gebäudefunktion als Hort einer Kunstschule. Da in allen künstlerischen Disziplinen Metall direkt oder indirekt mit einfließt, soll sie die angehenden Künstler zur Reflexion über die Bedeutung der Materialwahl und Farben, ihrer Beschaffenheit und Kombination bei der Umsetzung ihrer Werke inspirieren. Zugleich übernimmt das semitransparente Metallgewebe die Aufgabe einer schützenden Membran zwischen Außenwelt und Innenleben der Schule. Abends wird die Metallfassade bei innen beleuchtetem Gebäude transparent und bietet so ungehinderte Einblicke in die Räumlichkeiten, während tagsüber die Reflexion der Sonnenstrahlen die Kunstschule in ein kostbar schimmerndes Kleinod verwandelt. Diese Ästhetik paaren die gewebten Fassadenelemente mit effektivem Blend- und Sonnenschutz. So filtern sie weiches Licht für die nach Osten ausgerichteten Ateliers und verhindern überdies das Aufheizen des gesamten Schulgebäudes. Neben Aufenthaltskomfort leisten sie dadurch einen Beitrag zum Nachhaltigkeitskonzept der Kunstschule mit bepflanzten Innenhöfen, begrünten Dächern und Solarpaneelen. Für Schüler und Bürger ist die großformatige, dreiteilige textile Membran jedoch vor allem eine identitätsstiftende Visitenkarte, die die jahrhundertealte Tradition des Klöppelhandwerks ebenso visualisiert wie das künstlerische Handwerk zeitgenössischer Gestaltung.


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