Donnerstag, 10. August 2017, 08:45 Uhr
Architektur in der Kunst

Das 'Fat House' von Erwin Wurm in Wien

Architektur spielt eine große Rolle im Werk Erwin Wurms. Seit über 35 Jahren ergründet der österreichische Ausnahmekünstler die Ausdrucksmöglichkeiten der Bildhauerei und bedient sich dabei regelmäßig des Motives „Haus“. Wurms Häuser sind keine bewohnbaren Bauten, sondern verfettete, extrem schmale, enge, kippende oder geschmolzene Plastiken, die sich selbst und ihre Funktion in der Gesellschaft in Frage stellen. 

Bei seiner Werkgruppe der Performativen Skulpturen, die noch bis 10. September im Wiener 21er Haus zu sehen ist, legt Wurm selbst Hand an, indem er Modelle von Gebäuden und Objekten des täglichen Gebrauchs, sowie rohe Blöcke aus Ton deformiert. Für die Serie ‚House Attack‘ attackiert der Bildhauer Modelle von teils bekannten, teils anonymen Bauten, bzw. von Gebäuden, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. Er legt sich etwa auf sein Elternhaus und deformiert es durch sein Körpergewicht, springt auf den Narrenturm, gräbt ein Loch ins Hochsicherheitsgefängnis Stammheim oder tritt gegen eine deutsche Bunkerarchitektur. Es entsteht ein spannungsgeladener Dialog zwischen der Urform des Materials und den Spuren des performativen Eingriffs.

Bis zum Ende der Ausstellungslaufzeit im 21er Haus kann auch Wurms berühmtes Fat House vor dem Oberen Belvedere bei freiem Eintritt besucht werden. Dort tritt es in einen spielerischen Dialog mit der barocken Architektur des Schlosses. In der begehbaren Skulptur hält eine Animation des übergewichtigen Hauses einen Monolog über den Sinn des Lebens, Kunst und Architektur. Eine unterhaltsame und ironische Reflexion über die Symptome unseres Wohlstands und eine Einladung, über existenzielle Fragen nachzudenken.

Ein begleitendes Online-Special zu Erwin Wurm ergänzt die Ausstellung.

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