Freitag, 24. November 2017, 12:35 Uhr
Architects, not Architecture

"Ich lasse mich gerne von Frauen dominieren!"

Einmal mehr gelang es Férmin Tribaldos für seine Veranstaltung "Architects, not Architecture", die gestern im Hamburger Miralles Saal über die Bühne ging, drei renommierte, internationale Architekturgrößen in die Hansestadt zu holen. Diesmal mit von der Partie: Massimiliano Fuksas, Odile Decq und Patrik Schuhmacher. Wieder galt das ungewöhnliche Motto: Die Baumeister dürfen über alles sprechen, doch nicht über ihre Werke. Den Auftakt machte Odile Decq, die, wie sie erklärte, schon als kleines Mädchen den dringlichen Wunsch hatte, Architektin zu werden. Fast wäre daraus nichts geworden, denn ihr Vater erklärte ihr, dass dies kein Beruf für Frauen sei. Doch die eigenwillige Französin, deren Kennzeichen ihre schwarze Gothic-Mähne und die schwarz umrandeten Augen sind, setzte ihren Traum glücklicherweise dennoch um. Geprägt von der Punk-Szene der frühen Achtziger ("Wir reisten ständig zu Konzerten nach London, aber auch um neue Architektur anzuschauen"), liebt ihren Job bis heute. "Ich möchte immer noch Neuland entdecken, neue Dinge und Menschen kennenlernen," so die Architektin. Sie ist überzeugt davon, dass Architektur das Leben verbessern kann. Ihr Motto: "Architecture is a place to enjoy the life."

Auf die Französin folgte Patrik Schuhmacher, der ebenso wie Odile Decq aus einer kinderreichen Familie stammt, und schon früh wusste, dass er der deutschen Kleinbürgerlichkeit (er wuchs im überschaubaren Bonn auf) entkommen und ein "ungewöhnliches Leben leben wollte", wie er erzählte. Den Weg zur bauenden Zunft fand er über ein Philosophie- und Mathematikstudium, dem sich ein Architekturstudium anschloss.1999 promovierte er in Philosophie, ein Praktikum brachte ihn zu Zaha Hadid. Er wurde ihr wichtigster Mitarbeiter und schließlich Teilhaber des Londoner Büros, in dem rund 400 Mitarbeiter beschäftigt sind. Schuhmacher, der seit dem Tod von Zaha Hadid, Kopf des Unternehmens ist, ließ die Besucher an seiner Selbstfindung – vom überzeugten Marxisten mit Lust an der Selbstinszenierung  bis hin zum freiheitsliebenden Vordenker – teilhaben. Seinen Mitarbeitern gewährt er größtmögliche Freiheit, davon überzeugt, dass das der beste Weg ist, um Kreativität zu fördern. 

Den Abschluss des Abends gestaltete Massimiliano Fuksas. Der beredsame, lebhafte Italiener nahm Moderator Férmin Tribaldos ein wenig das Zepter aus der Hand, indem er – während dieser ihn noch anmoderierte – selbstbewusst die Bühne betrat, das Mikrofon an sich nahm und sich dem Auditorium höchstpersönlich vorstellte. Der Baumeister, der seinen Entwurf immer mit einem gemalten Bild startet, verriet, dass auch er ein äußerst freiheitsliebender Mensch ist. "I don't like boarders!". Zudem erfuhr das Publikum, dass seine Frau, ebenfalls Architektin, nicht nur Zuhause, sondern auch im Office, das Sagen hat. Fuksas: "Ich mag es von Frauen dominiert zu werden." Auf die Frage, ob er – neben der Architektur – noch weitere Leidenschaften habe, antwortete er: "Ja, Vater zu sein!" Ein Statement, mit dem er nicht nur die Herzen der weiblichen Zuschauer für sich gewann.

Resümee: Ein – trotz ein paar Längen – sehr unterhaltsamer, spannender Abend, der dem Publikum viele Überraschungsmomente bescherte und den Besuchern das Denken von drei bemerkenswerten Baumeistern unserer Zeit nahebrachte. Gesponsert wurde die Veranstaltung von Schüco, BoConcept und Hess.

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