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Freitag, 19. Oktober 2018, 09:15 Uhr
BDA Preis Berlin 2018

Architektur als soziales Instrument

Die Preisträger überzeugen durch herausragende architektonische Qualitäten und sozialen Mehrwert: Zwei Wohnbauten und eine neue Gebäudetypologie für Ausbildung und Austausch – der diesjährige BDA-Preis Berlin 2018 würdigt drei Projekte, die auf ebenso unterschiedliche wie beispielhafte Weise Orte der Begegnung schaffen. Fünf weitere Gebäude erhielten jeweils eine Auszeichnung. Der zum dritten Mal in Medienpartnerschaft mit der Berliner Zeitung ausgelobte Publikumspreis ging an das '50Hertz Netzquartier' unweit des Hauptbahnhofs.
„Gebäude sind nicht selbstverständlich Architektur. Auch dann nicht, wenn sie von Architekten entworfen wurden. Komplexität wird oftmals mit unreflektierten Vereinfachungen, zufälligen historischen Bezügen und politischen Ideologien begegnet. Begreift man in diesem Sinne Architektur auch als ein soziales Instrument, das gesellschaftliche Veränderungen unterstützen und diese idealerweise verbessern kann, so stellen alle drei Preisträger innerhalb ihrer Bauaufgabe mutige und innovative Vorbilder dar.“ Mit ihrem Statement zum BDA Preis Berlin 2018 markiert die Juryvorsitzende Jette Cathrin Hopp (Snøhetta, Oslo) die Haltung, der sich das diesjährige Preisgericht verschrieben hatte. Neben ihr gehörten diesem die Architekten Rudolf Hierl (Hierl Architekten, München) und Oliver Thill (Atelier Kempe Thill, Rotterdam), die Architekturhistorikerin und -kritikerin Annette Menting (Leipzig) sowie der Immobilienentwickler Thomas Bergander (Taurecon, Berlin) an. So sei der Wohnkomplex 'Elf Freunde' (AFF architekten, Berlin) ein „vorbildlicher Beitrag gemeinschaftlich realisierten bezahlbaren Wohnraumes für Familien”, da er sowohl durch die „individuellen räumlichen Qualitäten, als auch durch die Priorisierung von gemeinschaftlich genutztem Raum“ besteche. Das von orange architekten (Berlin) als Grundstückseigentümer, Planer und Bauträger realisierte Ensemble ‚Einfach gebaut‘ zeichne sich „durch einen unkonventionellen Umgang mit räumlichen Typologien und erfrischende bautechnische Lösungen“ aus. Und mit der 'Botschaft für Kinder' des SOS-Kinderdorfes (Ludloff Ludloff Architekten BDA, Berlin) werde in einer „neuen Gebäudetypologie ein Ort vielfältigster Begegnungen geschaffen, in dem die architektonische Gestaltung deutlich den kommunikativen Charakter des Hauses“ widerspiegle. Neben „herausragenden architektonisch-räumlichen Qualitäten“ generierten alle drei Projekte einen sozialen Mehrwert und schufen „unterschiedlichste Orte der Begegnung, die die Entwicklung der kollektiven und individuellen Sensibilität füreinander und für unsere Umwelt zukunftsweisend fördern“, so die Jury.
Die weiteren fünf ausgezeichneten Projekte überzeugten in verschiedenen Aspekten ebenfalls, z.B. durch ihr soziales Engagement, die räumliche Komposition und die Konsequenz im Detail. Insgesamt waren 95 Projekte zum BDA Preis Berlin 2018 eingereicht worden, von denen die Jury nach zwei Rundgängen 13 vor Ort besichtigte.

Die Preisträger in der Übersicht:
• Elf Freunde, Berlin/Rummelsburg, 2013, Planer: AFF architekten GmbH, Bauherr: Baugruppe Elf Freunde
• SOS-Kinderdorf, Botschaft für Kinder, Berlin/Moabit, 2017, Planer: Ludloff, Ludloff Architekten BDA, Bauherr: SOS Kinderdorf e. V.
• Einfach gebaut, Berlin/Friedrichshain, 2017, Planer: Orange Architekten, Bauherr: Orange Bauwerk GmbH
Die fünf Auszeichnungen:
• IBeB – Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt, Berlin/Kreuzberg, 2018, Planer: ARGE iau | Heide & von Beckerath, Bauherr: IBeB GbR
• 0145 St. Agnes, Berlin/Kreuzberg, 2015, Planer: Brandlhuber+ Emde, Burlon/riegler riewe architekten, Bauherr: Johann & Lena König
• Wohnungsneubau an der Schillerpark-Siedlung, Berlin/Wedding, 2015, Planer: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Bauherr: Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG
• Staatsoper Unter den Linden, Berlin/Mitte, 2017, Planer: HG Merz GmbH, Bauherr: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
• Mietshaus Niederbarnimstraße 9, Berlin/Friedrichshain, 2016, Planer: Trutz von Stuckrad Penner Architekten, Bauherr: Stadtboden Grundstücks GmbH & Co.

Neben den Jurypreisen wurde 2018 wieder ein Publikumspreis in Medienkooperation mit der Berliner Zeitung vergeben. Hierfür waren Architekturinteressierte aufgefordert, im Internet ihre Favoriten auszuwählen. Rund 4.200 gültige Stimmen wurden im Abstimmungszeitraum zwischen dem 27. August und dem 24. September 2018 abgegeben. Das '50Hertz Netzquartier' von Love architecture and urbanism ZT GmbH (Graz/Berlin) konnte sich hier deutlich gegenüber den anderen Projekten durchsetzen. Das Office-Gebäude mit individuell gestalteten Workspaces liegt an der Heidestraße im Stadtentwicklungsquartier 'Europacity'.
Der Landesvorsitzende des Berliner BDA, Andreas R. Becher, zeigte sich erfreut über die „hohe fachliche Qualität“ aller 95 Einreichungen und die „zum Teil außergewöhnlichen und bemerkenswerten Ergebnisse“. Zudem betonte Becher auch die Rolle des BDA Preis Berlin als „Bauherrenpreis“: „Die Schaffung von Baukultur ist kein Zufall, sondern das Ergebnis vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.“
Alle Gewinner werden im Rahmen der Preisverleihung bekanntgegeben, die am 18. Oktober 2018 ab 18 Uhr in der Peter-Behrens-Halle, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin-Wedding stattfand. Im Rahmen des anschließenden Empfangs werden alle Arbeiten ausgestellt und auch die Dokumentation zum BDA Preis Berlin 2018 präsentiert. Die BDA Galerie zeigt zudem ab November eine Ausstellung mit allen Preisträgern.

Über den BDA Preis Berlin
Alle drei Jahre lädt der Berliner Landesverband des Bund Deutscher Architekten (BDA) dazu ein, in Berlin realisierte Projekte für den BDA Preis Berlin einzureichen. Der Ehrenpreis wird an Bauherren und Architekten gemeinsam vergeben und würdigt beispielgebende baukünstlerische Leistungen im Land Berlin. Ziel ist es, die Qualität des Planens und Bauens in Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und unserer Umwelt zu fördern und das öffentliche Bewusstsein für qualitätsvolle Gestaltung zu schärfen. Die Preisträger qualifizieren sich für eine Nominierung zum bundesweit vergebenen Architekturpreis des Bundesverbands des BDA, Nike.

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