Dienstag, 27. November 2018, 16:10 Uhr
Tecta

Kerstin Bruchhäusers 'D4'-Variante zum Bauhaus-Jubiläum

Zum Bauhaus-Jubiläum 2019 hat sich Tecta etwas Besonderes einfallen lassen: Vier junge Designer durften sich jeweils einen Klassiker aus der Bauhaus-Kollektion aussuchen und neu interpretieren. Bei Kerstin Bruchhäuser trifft nun koreanische Patchwork-Tradition auf Marcel Breuer: Für ihre Interpretation eines Bauhaus-Möbels wählte die Hamburger Designerin bewusst den ungepolsterten Stuhl 'D4' von Marcel Breuer. Entworfen als Allrounder „für Schiffe, Sportplätze, Terrassen, Sommerhäuser, Gärten, Gartencafés“ wurde der zusammenklappbare Stahlrohrklubsessel mit Stoffgurtbespannung im Jahr 1927 vorgestellt. Längst Ikone, ist Breuers mobiler 'D4' bereits seit 1980 in die ständige Sammlung des Museum of Modern Art New York aufgenommen.

Für ihre Version hat Kerstin Bruchhäuser entschieden, das Stahlrohrgestell des 'D4' zu belassen, um sich auf die Gestaltung der textilen Gurtflächen - Sitz, Rücken- und Armlehnen - zu konzentrieren. In aufwändiger Handarbeit kreierte sie über drei Monate ein Patchwork und bediente sich der traditionellen koreanischen 'Pojagi'-Technik. Hierbei werden Stoffreste mit markanten Kedern aneinandergenäht, so das Vorder- und Rückseite fast identisch aussehen. Das Ergebnis: ein beidseitig ästhetisch-schönes Textil.

Als Referenz zu den vier Grundfarben, wählte Bruchhäuser für ihren Stoff vier Kolorits: Gelb, Grün, Blau und Pink. „Ich habe das Patchwork entsprechend dem Bauhaus Gedanken bewusst auf vier Farben begrenzt“, erklärt sie. Die verwendeten Stoffreste besitzen globale Wurzeln: ein Teil stammt aus der Lauenförder Werkstatt von Tecta. Ein weiteres Material aus deutschen Militärrucksäcken, die sie in einem Second Hand Militärladen in Los Angeles fand. Blaue Stoffe waren einst Jeanshosen, dazu mischt sie einen alten, japanischen Kimonostoff zu einem symmetrischen Muster.

Ausgangspunkt für ihr Patchwork ist ein Schmetterling des Kimonostoffes, der sich im Zentrum der 'D4'-Sitzfläche befindet und von dort aus das gesamte Muster entfaltet. Die Stoffreste sind in perfekter Symmetrie angeordnet, durch das Übereinandernähen per Hand gibt es immer wieder leichte Verschiebungen. „Ein spannender Kontrast entsteht: Der flexible Stoff mit den leicht versetzten Nähten wird auf dieses super gerade und glänzende Stahlrohr aufgezogen“, erklärt die Hamburger Designerin.

Lesen Sie außerdem in der kommenden Ausgabe der arcade: Aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums im nächsten Jahr wollten wir von bekannten Designern der Gegenwart wissen, welchen Bezug sie zur Bauhaus-Lehre haben und welche Ideen und Philosophien daraus sie persönlich besonders inspirieren.
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