Freitag, 05. April 2019, 13:30 Uhr
Weimar

Ein Monument für das Bauhaus

Der große Saal im Untergeschoss des neuen Bauhaus Museums in Weimar platzte aus allen Nähten. Die internationale Presse war angereist (arcade war ebenfalls vor Ort), um live dabei zu sein, wenn 100 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar nach vielem Hin und Her heute das neue Bauhaus Museum seine Pforten öffnet. Ein großer Moment. Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar: „Ich bin beeindruckt, wenn ich hier in den Raum blicke, über das überwältigende Interesse an dem neuen Museum.“ Aus seiner Begeisterung für die monolithische Architektur von Heike Hanada macht er keinen Hehl. „Ein großartiges Gebäude“, das Weimar verändern wird, ist er überzeugt. „Wir werden eine andere Stadt werden, die nicht nur Assoziationen an die deutsche Klassik weckt (Goethe und Schiller), sondern eben auch an das Bauhaus und die Moderne. Eine Verdichtung deutscher Kulturgeschichte, eine universale Topographie der Moderne. Für mich ist das ein wirkliches Glück!“

Dabei war die Planung und Umsetzung für die Architektin Heike Hanada keine leichte Aufgabe, denn ihr voluminöser, kubischer Entwurf stieß nicht von Beginn an bei allen auf Gegenliebe. Zudem brachte auch der Standort zum angrenzenden Weimarhallenpark und die Nähe zu dem von den Nazis errichteten "Gau-Forum" einige Konflikte mit sich. Und die Fassadengestaltung sollte gleich in zweifacher Ausführung geplant werden: einmal mit einer vorgehängten Glasfassade und einmal mit einer Betonfassade. Letztlich entschied man sich für die pure, grau-weiße Betonfassade, in die schmale umlaufende LED-Bänder eingelassen sind, die dem Haus etwas Schwebendes geben und noch besser zur gestalterischen Grundidee passen, erläutert Heike Hanada. „Die Lichtbänder betonen die Horizontale und nehmen dem monolithischen Bau die Schwere. Besonders am Herzen lag mir die Vernetzung zwischen Stadt und Park, denn das Museum ist definiert über seine Funktion für den öffentlichen Raum. Dies spiegelt sich auch in der Innenraumkonzeption mit doppelgeschossigen Lufträumen und Kaskadentreppen wider, die zum Flanieren und Verweilen einladen.“

Benjamin-Immanuel Hoff, Kulturminister Thüringen und Vorsitzender des Stiftungsrates der Klassik Stiftung Weimar, ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. „Ich bin unheimlich stolz auf das, was Heike Hanada und wir alle zusammen hier geschaffen haben.“ Allerdings, so Benjamin-Immanuel Hoff, gehe es nicht nur darum, mit dem neuen Museum allein die damals revolutionären Ideen des Bauhauses zu würdigen, sondern eben auch die Brüche aufzuzeigen, wie etwa die Vertreibung des Bauhauses durch die Nazis. Es soll also zugleich auch ein Ort der Auseinandersetzung sein, der Vergangenheit und Zukunft in den richtigen Kontext setzt. Das Bauhaus Museum wird ein entscheidender Baustein im zukünftigen „Quartier der Moderne“ sein, das den Bogen spannen soll von der künstlerischen Avantgarde über Stätten der NS-Herrschaft (die Buchwald-Gedenkstätte liegt vor der Tür) bis hin zum DDR-Städtebau.

Freuen Sie sich auf eine ausführliche Reportage über das neue Bauhaus Museum in der kommenden arcade.






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