Montag, 19. August 2019, 14:10 Uhr
Wilkhahn

Neues Bauhaus-Gebäude in Dessau eröffnet

Das Erbe der Moderne weiterdenken:100 Jahre nach Gründung der Gestalterschule Bauhaus wurde am 11. August in Dessau ein originales Bauhaus-Gebäude eingeweiht. Wissenschaftler und Studierende der Universität Kassel haben in der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Laubengang-Siedlung Dessau-Törten einen ursprünglich als Wohnhaus konzipierten Holzbau nach den Plänen des Architekten und Bauhaus-Lehrers Ludwig Hilberseimer errichtet.  Büromöbelhersteller Wilkhahn, der sich im Jubiläumsjahr bereits mit einem Symposium und mit einem studentischen Designprojekt engagiert hat, fördert auch dieses Projekt und stattet das vielfältig nutzbare Gebäude mit innovativen Möbeln aus.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein L-förmiges einstöckiges Wohnhaus in Holzbauweise, das Ludwig Hilberseimer (1885 - 1967) 1930 entworfen hatte. 400 Exemplare dieses Typs sollten nach den Plänen von Bauhausdirektor Hannes Meyer und Hilberseimer seinerzeit das Ensemble der Laubenganghäuser in Dessau-Törten ergänzen. Auf Initiative von Philipp Oswalt, Leiter des Fachgebiets Architekturtheorie und Entwerfen

der Universität Kassel, wurde es jetzt in Dessau neu errichtet. Ein Schwerpunkt in der Forschung des Fachgebiets ist das Werk von Hannes Meyer (1889 –1954) und dessen Wirkung. Als zweiter Bauhausdirektor 1928 – 1930 richtete Meyer das Bauhaus neu aus, indem er die enge Zusammenarbeit mit der Industrie forcierte und eine eigene Bauabteilung etablierte. Er suchte nach einer am sozialen Gebrauch orientierten Architektur.

Die Laubenganghäuser wurden damals in der Bauabteilung des Bauhaus‘ nicht nur geplant, sondern tatsächlich – ebenfalls mit Hilfe der Bauhäusler – errichtet. Seit 2017 genießen sie Welterbe-Status. Die 1929 einsetzende wirtschaftliche und politische Krise verhinderte jedoch den Bau der ergänzenden Flachbauten aus Holz. Es wurde 1932 lediglich ein Exemplar für die Ausstellung zum „wachsenden Haus“ in Berlin realisiert. „Der mit Abstand innovativste Beitrag des Bauhaus‘ zum Wohnungsbau ist heute nahezu vergessen,“ sagt Oswalt, der von 2009 bis 2014 auch die Stiftung Bauhaus Dessau leitete. „Zumal er auch nicht in das gängige Bauhaus-Cliché passt: Nicht aus Glas, Stahl und Beton, sondern in einfacher Holzbauweise, preiswert, ökologisch und erweiterbar.“

Oswalt hat die Realisierung nachgeholt und in den vergangenen drei Wochen eines der Gebäude mit Studierenden prototypisch errichtet, auf einem vakanten städtischen Grundstück (Mittelbreite 12) direkt neben einem der Laubenganghäuser. „Damit wird erstmalig die innovative städtebauliche Gesamtkonzeption verdeutlicht wie zugleich der nicht minder anregende Haustyp von Hilberseimer präsentiert. Wir korrigieren ein einseitiges Bild des Bauhaus‘ und geben einen Impuls zur heutigen Wohnungsbaudebatte. Zugleich ist dies im Jubiläumsjahr des Bauhaus‘ eine Art Reenactment,“ so Oswalt.

Wilkhahn fördert das Projekt nicht nur, sondern stattet das für unterschiedliche Nutzergruppen als „Lernort“ konzipierte Gebäude mit einem entsprechend flexiblen Möbelprogramm aus. Schülerinnen und Schüler des Dessauer Walter-Gropius-Gymnasiums haben diverse Nutzungssettings angedacht – vom „grünen Klassenzimmer“ über ein „Reallabor“ städtischer Gemeinschaft bis zum Ausstellungsort und Musterhaus. Für diese vielfältigen, auf Selbstorganisation ausgelegten Szenarien kommt von Wilkhahn dafür ein flexibles Setting mit dem per Akkubetrieb höhenverstellbaren, beschreib- und klappbaren „Timetable Lift“ (Design: Andreas Störiko) als Hybrid aus Tisch und Whiteboard: Er kann als horizontale Fläche für Workshops und Besprechungen ebenso eingesetzt werden wie als vertikale Präsentationswand. Ergänzt wird er von dem Bewegungs-, Steh- und
Stützelement „Stitz“ (Design: Produkt-Entwicklung Roericht PER), einem Klassiker aus dem Umfeld der HfG Ulm, jener legendären Nachfolgeschule des Bauhaus‘, mit der Wilkhahn bis zu ihrer Schließung 1968 eng zusammengearbeitet hatte. "Stitz" wurde von Wilkhahn für Haltung zwischen Stehen und Sitzen entwickelt, die Bewegung und dynamisches Arbeiten fördert. Hinzu kommt der leichte, äußerst kompakt stapelbare
Mehrzweckstuhlstuhl Aline (Design: Andreas Störiko). Bunte Bewegungshocker und Sitzböcke aus den Serien "Stand-Up" (Design: Thorsten Franck) und "Sitzbock" (Design: RSW) sorgen für einen spielerischen
Zugang zu neuen Interaktionsformen.

Das Haus selbst ist demontierbar und soll nach anderthalbjähriger Nutzung in Dessau weiterziehen. Als zweiter Standort ist die Umgebung des Hauses Lemke nach Plänen von Mies van der Rohe in Berlin-Hohenschönhausen geplant. Mies hatte hier den Gebäudetyp von Hilberseimer aufgegriffen und in einer luxuriösen Variante als Villa realisiert.

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