Freitag, 24. April 2020, 10:05 Uhr
Branchen-Stimmen zur Corona-Krise

Kai Weckesser, Weckesser Wohnen: "Mittelfristig könnte die Kaufbereitschaft steigen"

In Warteposition: Während kleine Geschäfte schon geöffnet haben, müssen sich die über 800 qm großen Einrichtungshäuser in vielen Bundesländern noch gedulden. Was das für mittelständische Händler bedeutet und wie sie sich auf den Neustart vorbereiten, wollten wir von Kai Weckesser wissen, der im baden-württembergischen Wiesloch ein 7.000 qm großes Premium-Haus führt.

Breaking News: Baden-Württemberg hat neu entschieden - ab heute dürfen auch „große“ Einzelhändler ihre Geschäfte wieder öffnen, sofern sie die zulässige Fläche von 800 qm abtrennen. Das bedeutet: Auch Weckesser kann wieder für seine Kunden da sein. Der Händler hat sich für die Öffnung seiner Outdoor-Möbel-Fläche entschieden. Dort sind Kollektion von u.a. Dedon, Kettal, Royal Botania, Fast, Kristalia, Cane-line, Stern und Glatz zu entdecken.

Das Gespräch mit Kai Weckesser fand vor dieser Entscheidung statt.

Wie hart trifft Sie die Corona-bedingte Geschäftsschließung? Wird das von Ihnen geschnürte digitale Inspirations-Paket angenommen?

Kai Weckesser: Schon vor Corona war es keine Frage für uns, mehr in das Thema Online-Präsenz und Digital Marketing zu investieren, um auch neue Zielgruppen und damit Kunden auf uns aufmerksam zu machen und zu gewinnen – in diesem Zuge haben wir die Zusammenarbeit mit unserem Verband, der Garant Gruppe, schon im November letzten Jahres stark intensiviert. Dennoch ist klassische Print-Werbung für uns und unsere Stammkunden nach wie vor das Hauptwerbemittel. Im Zuge der Corona-Krise und der damit verbundenen Schließung des Geschäfts nützt uns aber weder das eine noch das andere wirklich etwas. Und wenn wir einmal ehrlich sind, überrascht das auch nicht. Wer kauft schon ein Sofa in einem gewissen Preis-Segment, auf dem er nicht selbst einmal gesessen oder gelegen hat? Trotzdem sind unsere Mitarbeiter aktiv und stehen unseren Kunden natürlich telefonisch, per E-Mail oder auch via Skype oder Facetime zur Verfügung. So können wir unsere Kunden trotzdem in gewohnter Qualität beraten. Ebenso laufen die Handwerker- und Montageleistungen wie gewohnt weiter. Aber keine Frage: Die Krise trifft uns natürlich sehr, da muss man auch überhaupt nichts beschönigen.

Wie bereiten Sie sich auf eine Wiedereröffnung vor? Sind Sie vielleicht schon startklar?

Kai Weckesser: Eine Aktion zum „Neustart“ ist bereits in Planung, auch wenn wir leider nach wie vor im Dunkeln tappen, was das Datum der Wiedereröffnung angeht. Aufgrund unserer Fläche von 7.000 Quadratmetern und der Tatsache, dass sich bei uns generell keine Schlangen wie vor einem Baumarkt bilden, wird es keine scharfen Einlasskontrollen geben müssen – falls doch, können wir das natürlich sofort umsetzen. Bezüglich der Hygiene-Anforderungen sind wir bereits bestens ausgestattet – sowohl zum Schutz unserer Kunden als auch zu dem unserer Mitarbeiter.

Glauben Sie, dass das Zuhause nach Corona stärker wertgeschätzt und schöner eingerichtet wird?

Kai Weckesser: Ich glaube fest daran, dass wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden. Wir werden nicht nur unsere Freiheit, sondern auch unser Zuhause mehr zu schätzen wissen als vor Corona. Und natürlich hoffe ich, dass unser Haus davon profitiert und wir viele neue und alte Kunden dabei unterstützen können, ihr Zuhause noch besser an ihren persönlichen Geschmack anzupassen.

Wird es einen „Nachholbedarf“ geben oder wird Zurückhaltung angesichts finanzieller Unsicherheiten geübt?

Kai Weckesser: Ich kann mir schon vorstellen, dass es mittelfristig einen kleinen Boom geben wird – jedoch nicht sofort nach der Wiedereröffnung aller Geschäfte. Dafür wird die Unsicherheit vermutlich noch zu groß sein. Generell kann sich die Krise auch ab einem gewissen Punkt positiv auf die Branche auswirken – jedoch muss die Branche bis dahin erst einmal überleben. Und das werden nicht alle Häuser schaffen. Ich glaube an eine anfängliche Zurückhaltung, jedoch nicht aus finanziellen Gründen, sondern vielmehr aus Unsicherheit bezüglich des Ansteckungsrisikos, solange es keinen Impfstoff gibt. Natürlich gibt es aktuell sehr viele Menschen, die durch Kurzarbeit und Co. finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Auf der anderen Seite bleibt aber auch viel Geld liegen – zum Beispiel dadurch, dass Restaurant-Besuche und Urlaube nicht stattfinden können oder die Kindergarten-Gebühren nicht gezahlt werden müssen. Ich denke insgesamt daher schon, dass die Kaufbereitschaft eher steigen als sinken wird.

Wird Weckesser in Richtung Online-Shop/virtuelle Beratung aktiv werden (müssen)?

Kai Weckesser: Einen Online-Shop planen wir aktuell nicht und das stand auch vor der Krise nie wirklich zur Debatte, weil wir ein Haus sind, in dem der persönliche Face-to-Face-Kontakt und die individuelle Beratung vor Ort durch nichts zu ersetzen sind. Aber momentan forcieren wir natürlich auch alternative Beratungsmethoden, beispielsweise via Telefon, E-Mail oder Video-Gespräch. Auch wenn wir damit – wie bereits eingangs erwähnt – keine wesentlichen Abschlüsse innerhalb unserer Kern-Sortimente erwarten.

Sie führen viele italienische Label. Da bleiben Lieferprobleme nicht aus, weil in Italien zurzeit nicht produziert wird?

Kai Weckesser: Lieferprobleme werden wir meiner Meinung nach bis zum Ende des Jahres haben. In Italien sind nun einmal alle Produktionsbetriebe seit Wochen geschlossen, dass es dadurch zu einem Lieferverzug kommen wird, ist bedauerlicherweise schon jetzt eine Tatsache. Ich hoffe natürlich inständig, dass die italienischen Hersteller alle durch die Krise kommen.



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