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Freitag, 14. August 2020, 10:15 Uhr
Matthias Pollmann und Dick Spierenburg im Interview

imm 2021 - mit "Apartment Haus" und "Connect Hub"

Neuer Standort, neues Konzept und ein neues Thema, das die boomenden Long- und Shortstay- Konzepte in den Fokus rückt. „Das Haus“, das erfolgreiche Design-Event für visionäre Wohnideen der imm cologne, erhält nach zehn Jahren eine Frischekur. Im ­Januar 2021 erwartet die Messebesucher erstmals ein ganzes „Apartment Haus“ - mit spannenden Beispielen für aktuelle Formen des urbanen Lebens. Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter bei der Koelnmesse sowie imm cologne-Creative ­Director und Designer Dick Spierenburg erläutern im arcade-Interview das neue Design-­Konzept und wie man in Corona-Zeiten überhaupt eine Messe plant.


Herr Pollmann, Herr Spierenburg, Sie stehen beide in regelmäßigem Kontakt mit Herstellern und (potentiellen) Ausstellern der imm cologne. Wie erleben Sie aktuell die Stimmung im Markt und inwieweit wollen sich die Firmen schon auf die kommende imm festlegen?
Matthias Pollmann: Ich merke in vielen Gesprächen einen großen Wunsch, sich wieder zu treffen. Dafür steht Messe und davon lebt auch die imm. Auf der anderen Seite gibt es auch interna­tional ein starkes Vertrauen in den deutschen Markt, dass eine Messe in dieser Situation hierzulande funktioniert. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Inno­va­tionen, die für dieses Jahr bereits entwickelt wurden, müssen auch endlich gezeigt und auf den Markt gebracht werden. Da kommt der imm-Termin gerade richtig. Und neben den Trend-Themen, die wir spielen, hat Köln in den letzten Jahren bewiesen, dass hier auch das Geschäft läuft.
Dick Spierenburg: Die imm ist jedes Jahr im Januar der große Treffpunkt der Branche. Auch wenn es, wie jetzt in der Corona-Zeit, digitale Möglichkeiten für die Kommunikation gibt und um ein Produkt vorzustellen: Wichtig bleibt der persönliche Austausch von Ideen und Meinungen für das gesamte Business. Das ist in Köln zuhause. Und ich rechne auch damit, dass wir im Januar 2021 so gut aufgestellt sind, dass das wieder gelingen wird. Es wird sicher anders als gewohnt sein. Dennoch: Wir gehen voran – denn die kreative Branche muss sich zeigen und austauschen.

Wenn wir jetzt konkret auf die imm co­logne 2021 schauen, welche neuen Perspektiven eröffnen sich im Designbereich der Messe?
Dick Spierenburg: Wir denken jedes Jahr neu über die Themen nach, die wir in den Mittelpunkt stellen wollen. Diese zentralen Sujets werden für die Messe immer wichtiger. Vor zehn Jahren haben wir mit „Das Haus“ angefangen und dort den Designern den größtmöglichen Spielraum gegeben, um ihre inspirierenden Wohn-Beispiele zu inszenieren. Doch wir wollen die Themen noch stärker selbst definieren. 2020 war das z.B. bereits der „Indoor/Outdoor“-­Aspekt. Deswegen konzentrieren wir uns für 2021 auf weniger Themen, stellen diese aber breiter auf. Das bedeutet auch, dass wir nicht mehr in allen Hallen ein bisschen was machen, sondern dieses Mal Größeres in Halle 11 angehen.
Dabei gehen wir erstmals weg von der ­ursprünglichen „Haus“-Inszenierung in Richtung „Apartments“. Viel mehr Menschen leben in Wohnungen als in Häusern, damit spiegelt das auch die Realität besser wieder. Zudem gibt es in diesem Bereich spannende Entwicklungen, die Städte ­immer stärker prägen und die auch für unsere Aussteller wichtig sind. Neben der Hotellerie und Gastronomie werden dabei vor allem Long- und Shortstay-Konzepte immer wichtiger. Hiermit entstehen immer mehr neue Modelle für zeitlich und räumlich flexible Menschen.
Matthias Pollmann: Long- und Shortstay-Apartments bilden eine neue Klasse im Objektgeschäft. Führungskräfte, Expats, Digital Nomads, Berufspendler, berufliche Neustarter und Studenten haben dabei ganz unterschiedliche Anforderungen an gemanagte Urban Living-Wohnkonzepte.Wir antworten auf die Veränderungen des Hospitality-Marktes und schaffen Raum für die Konzepte unserer Aussteller. 
Mit der Jubiläums-Ausgabe von „Das Haus“ werden wir also eine experimentelle Plattform für solch innovative Konzepte schaffen, um die für die Branche wichtigen Impulse aufzunehmen. Die Besucher erwartet ein „Apartment Haus“ mit zukunftsweisenden Beispielen für die neuen Formen des urbanen Wohnens.

Zudem sollen gleich mehrere Designer an der Gestaltung mitwirken. Welche neuen Impulse bringt dies?
Matthias Pollmann: Durch die Autorenschaft mehrerer Kreativer erhält die Wohnvision eine größere Komplexität. Für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgt dabei das Rahmendesign von Dick.
Dick Spierenburg: Das „Apartment Haus“ bietet aber nicht nur inspirierende Beispiele von tollen Designern. Daneben zeigen auch „Branded Apartments“, wie private und öffentliche Räume solcher Konzepte des „Neuen Wohnens“ aussehen können.
Wir konzentrieren uns auf zwei Bereiche: Zum einen auf Serviced Apartments – eher luxuriöse, geräumige Wohnanlagen, die oft auch Lobby, Lounge, Restaurant und Terrasse sowie exklusiven Service-Angebote umfassen. Zum anderen geht es um das Thema „Co-Living“. Hier handelt es sich ebenfalls um Serviced Apartments, aber um kleinere – für ein oder höchstens zwei Personen konzipiert. Zusätzlich gibt es dort Gemeinschaftsräume, in denen man kochen, essen, arbeiten, Fitness machen kann.
Insgesamt zeigen wir auf der Messe vier Apartments, die mit einem Gang verbunden sind. Zwei davon sind die sogenannten „Designer-Apartments“ mit einer Größe von ungefähr 75 qm. Zwei weitere wollen wir auf einer Fläche von 90 bis 100 qm mit ausgewählten Marken umsetzen. Daneben werden wir auch die Service-Bereiche mit abbilden. Wir zeigen also auch, wie ein Co-Living-Bereich, eine Lobby, Bar oder Lounge in diesem Kontext aussehen können. Damit bauen wir eine Brücke zwischen dem Wohnen und Hospitality.

Können Sie schon verraten, welche ­Designer und Brands sich am „Apartment Haus“ beteiligen werden?
Dick Spierenburg: Ich sehe bei den Marken insbesondere ein paar italienische Hersteller, die sich sehr gut eignen, da viele von ihnen das Wohnen ganzheitlich abdecken. So könnte ich mir z.B. B&B Italia vorstellen, die mit ihrer Contract Division schlüssel­fertige Einrichtungen u.a. für Hotels, Wohnanlagen, Bürogebäude und Kreuzfahrtschiffe anbieten. Oder Boffi DePadova, die Ausstattungen von Wohnen über Küche bis Bad im Portfolio haben. Aber es könnten hier auch zwei deutsche oder Schweizer Hersteller zusammen arbeiten. Wir suchen jedoch die Zusammenarbeit mit Herstellern, die bei diesem Projekt ein komplettes Bild zeigen können und sich zudem nicht schon selbst groß auf der Messe präsentieren.
Auf Designer-Seite möchten wir mit einigen Gestaltern der ehemaligen „Häuser“ zusammenarbeiten. Insgesamt sollen es fünf Kreative sein, von denen mindestens drei ehemalige „Haus“-Designer sind. Zugesagt hat beispielsweise bereits Sebastian Herkner, der ja das fünfte „Haus“ für uns super erfolgreich inszeniert hatte. Jeder dieser Kreativen wird dann einem Raum oder Bereich seine Handschrift verleihen. Insgesamt wird das „Apartment Haus“ sicher wieder einen imposanten Eindruck hinterlassen, da bin ich mir sicher.

Das zweite große Thema auf der Messe ist der sogenannte „Connect Hub“ als neue Plattform für vernetztes Wohnen & Leben. Was genau steckt dahinter?
Matthias Pollmann: Mit „Connect“ haben wir für die neue Halle 1plus ein Thema gewählt, dass die Branche schon vor ­Corona bewegt hat. Aber gerade durch den Lockdown hat es nochmal einen ordentlichen Schub bekommen. Wir alle haben ja gemerkt, wie wir uns plötzlich mit dem ­Zuhause noch stärker beschäftigt haben und zwar auch, was das Thema „Smart Home“ und „Konnektivität“ angeht.
Im Januar wollen wir nun alles, was das vernetzte Wohnen & Leben befasst, in der Halle darstellen. Dazu zählen auch Unternehmen, die nicht originäre imm-Aussteller sind. Hier sollen nicht nur innovative Geräte-Technik und smarte Anwendungen zur Vernetzung der Küche und des Hauses präsentiert werden. „Connect“ ist auch die Schnittstelle zu den Branchen Energiemanagement, Mobilität, Logistik, Telekommunikation,
Healthcare, Technology und Kultur. Und hier gibt es bereits eine gute Nachfrage von Ausstellerseite. Als weiteres Highlight zeigt das „Connected Home“ eine realistische Umsetzung von Smart Home-Technologien für Architektur und Einrichtung in Wohn­welten mit unterschiedlichen Szenarien.

Im Moment sieht es so aus, dass die imm cologne – vermutlich nach einem für viele schwierigen Jahr 2020 – für die Branche als erste große Einrichtungsmesse terminlich genau richtig kommt. Kann sich die imm damit noch mehr als Lösungsanbieter positionieren?
Matthias Pollmann: Das Thema Corona wird sicher auch die imm cologne und die Living Kitchen noch begleiten. Viele Fragen diesbezüglich werden also weiter im Raum stehen. Und als Messe wollen wir die Hersteller natürlich als Lösungsanbieter unterstützen. Mit dem Portfolio der Koelnmesse – von der Zuliefermesse Interzum bis zur imm cologne samt den Endverbraucher­tagen  – decken wir die komplette Bandbreite der Möbelindustrie und Einrichtungsbranche ab. Damit können wir natürlich auch sehr gut Themen setzen und Hilfestellungen geben, wie man sich heute in unterschiedlichsten Bereichen aufstellen muss.

Wie gestaltet sich denn aktuell überhaupt die Messeplanung, da nach wie vor nahezu jeder Tag eine neue Bewertung erfordert?
Matthias Pollmann: Natürlich können auch wir die aktuelle Lage nicht wegdiskutieren. Aber grundsätzlich läuft auch in dieser ­Situation das Anmeldegeschäft ganz ordentlich, es gab trotz Corona keinen riesigen Einbruch. Für uns steht die Gesundheit aller Beteiligten an erster Stelle. Und wir nehmen die aktuellen Sorgen und Unsicherheiten sehr ernst. Deshalb beschäftigen wir uns in der Planung ganz intensiv mit Aspekten wie Gangbreite, Besucheranzahl und -ströme, Menschenmengen auf Sonderflächen etc., um allen Messeteilnehmern größtmögliche Sicherheit zu bieten. Wir haben außerdem für jede Veranstaltung eigene Task Forces eingerichtet, die die aktuellen Entwicklungen, Maßnahmen und Anforderungen permanent überprüfen und in die weiteren Planungen und Konzeptionierungen einbeziehen.
Außerdem finden viele Einzelgespräche mit Ausstellern statt, wie eine Standplanung optimal aussehen kann, um allen eventuell noch geltenden Abstands-Anforderungen gerecht zu werden. Wir sehen uns dabei ganz klar als Partner der Hersteller und bieten auch in Sachen Standbau zusätzliche Unterstützung an, wenn diese gewünscht ist. 
Und schlussendlich arbeiten wir auch an unseren eigenen Gastronomie-Konzepten. Hier sehen wir u.a. vermehrt kleinere Treffpunkte vor, um unkomplizierten Austausch zu ermöglichen.

Das Gespräch führten Brit Dieckvoss und Tino Eggert

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