News huge daniel sch ning 2018
Freitag, 06. November 2020, 11:30 Uhr
Interview mit Daniel Schöning, Ply Atelier

„Wir brauchen das Büro als Hub für Austausch und Bindungen“

Wie wirkt sich die Corona- Pandemie auf unsere Arbeitswelt aus? Und wie hat der Lockdown schon jetzt die Büroplanung beeinflusst? Brauchen wir das Büro überhaupt noch? Und einen Schreibtisch? Wir haben Architekt Daniel Schöning von Ply Atelier besucht und nachgefragt, was seine ­Erfahrungen der letzten ­Monate waren. Und welche Auswirkungen diese auf ­seine Arbeit haben.

Herr Schöning, wie haben Sie persönlich und Ihre KollegInnen von Ply Atelier während des Lockdowns gearbeitet?
Daniel Schöning: Wie viele andere Hamburger bin ich mit meiner Familie aus den Skiferien gekommen und direkt in eine zweiwöchige Quarantäne gegangen. Parallel dazu sind auch schon alle MitarbeiterInnen aus dem Büro ins Home Office gewechselt. Unser Vorteil: Da wir schon vorher alle mit Laptops ausgestattet waren und auch nur mit diesen arbeiten – im Büro an große Bildschirme angeschlossen –, konnte ich zuhause sofort weiterarbeiten. Das mobile Arbeiten ist schon immer unsere Philosophie und wir empfehlen auch unseren Kunden die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten zu schaffen, indem wir für unterschiedliche Tätigkeiten flexibel nutzbare Funktions­räume wie Telefonboxen, Rückzugsorte für konzentrierte Aufgaben etc. planen.

Was haben Sie für Ihre Arbeit aus der Krise gelernt? Hat der Lockdown bewirkt, nochmal anders über solche Themen nachzudenken?
Ja, der Lockdown hat geholfen, dass ich auch an mir selbst gemerkt habe, wie toll ­einerseits Video-Konferenzen sind, aber auch, dass sie nur begrenzt gut funktionieren. Dass gerade der lockere Kontakt und die spontanen Zusammenkünfte im Büro, z.B. an der Kaffeemaschine, wichtig sind, berücksichtigen wir schon lange in unseren Projekten. Wie sehr das auf Dauer fehlt und was es tatsächlich mit einem persönlich macht, das hat Corona uns nochmal sehr eindrücklich gezeigt.

Gab es durch Corona Anpassungen bei Projekten, die aus diesen ­Erfahrungen resultieren – oder einfach an neue ­Hygiene- und Abstandsregeln?
Plexiglaswände etc. bauen wir jetzt nicht überall ein und planen auch die Tische nicht mit deutlich mehr Abstand. Wir stellen jedoch fest, dass die Konzepte, die wir schon lange vertreten – also, Räume zu schaffen, in denen Mitarbeiter für unterschiedliche Tätigkeiten unterschiedliche Bereiche bekommen – jetzt viel mehr gehört, öfter gewünscht und besser nachvollzogen werden können. Es heißt also nicht, dass wir jetzt anders planen, doch nun gibt es dafür mehr Bestätigung. Und wir begreifen nochmal selbst viel besser, warum wir tun, was wir tun, weil wir nicht nur die Idee des gewünschten Ergebnisses haben, sondern die Wirkung nun noch konkreter selbst erfahren.

Hat sich „New Work“ also schon in un­serem Arbeitsleben durchgesetzt?
Natürlich gibt es auch heute noch viele, die es gewohnt sind, morgens an ihren Schreibtisch zu kommen und nahezu ausschließlich dort zu arbeiten. Und mit Beginn des Feierabends gibt und soll es bei ihnen auch keine Vermischung von Arbeit und Freizeit geben. Ich glaube jedoch, das wird weniger. Denn das, was eigentlich hinter dem Begriff „New Work“ steckt, ist ja, dass sich die technologischen Möglichkeiten so verändern und immer weiter entwickeln, dass sich damit letztlich auch die Gesellschaft und der ganze Umgang mit Arbeit verändert. Das können wir ja schon jetzt gut wahrnehmen. Ich beobachte das auch an mir selbst: Ich bin mobil und habe mein ganzes Büro immer bei mir. Schon morgens kann ich ­zuhause meine E-mails checken, führe vielleicht erste Telefonate. Wenn ich erst später ins Büro gehen kann, weil meine Kinder später Schule haben, funktioniert auch das problemlos, weil ich nichts verpasst habe und jederzeit ansprechbar bin. Dabei kommt es zwangsläufig stärker zu einer Vermischung von Arbeit und Privatleben, bei dem viele Leute sagen: das will ich nicht. Ich kenne das für mich nicht anders und finde es eher angenehm. Das hängt aber auch stark davon ab, wie man den eigenen Beruf sieht und sich mit ihm identifiziert.
Noch deutlicher wird es übrigens bei der nächsten Generation wie meinen Töchtern. Zwar haben beide noch einen Schreibtisch im Zimmer – auf einem steht sogar noch ein Computer –, nur werden die nicht mehr benutzt. Der permanente Austausch mit den Freunden, auch der schulische, findet komplett über iPads oder Handy statt. Sie benutzen kaum noch Papier, telefonieren und kommunizieren dafür viel miteinander und senden sich Dateien oder Fotos zu. Dabei sitzen sie nicht am Schreibtisch, sondern auf dem Sofa, am Esstisch oder liegen auf dem Boden. Sie wechseln ständig den Ort, fangen manchmal zuhause eine Aufgabe an, fahren dann zu den Freundinnen, um dort gemeinsam weiterzulernen usw. Sie leben also bereits genau dieses mobile Arbeiten. Das heißt aber auch: alle Leute aus unserer Generation, die das nicht nachvollziehen können – um die geht es gar nicht mehr. 

Das Interview führte Brit Dieckvoss

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