Montag, 04. Januar 2021, 08:50 Uhr
Interview mit Alexander Raab, Clic, Hamburg

"Das Areal bietet enorme Chancen."

Alexander Raab gehört zu den bekanntesten Namen unter den deutschen Hochwert-Händlern. Ende der 90er Jahre entwickelte ­er das erfolgreiche Stilwerk-Konzept mit und war mit seinem Pre­mium-­Store Clic von Beginn an am Hamburger Stilwerk-Standort ansässig. In diesem Jahr schlägt er nun ein neues Kapitel auf und wird mit Clic in die historischen, von Quantum und David Chipperfield Architects neu gestalteten Stadthöfe in die Hamburger Innenstadt umziehen. Seinen gut laufenden Poliform-Store hat er bereits 2019 hier eröffnet. arcade-Autor Sascha Tapken sprach mit Alex­ander Raab über seine Pläne, die aktuelle Situation und erfuhr u.a., warum sein Herz für italienische Familienunternehmen schlägt.

Herr Raab, Sie können auf eine beeindruckende Möbelbiographie zurückblicken und wollen 2021 mit der Neueröffnung von Clic das nächste Kapitel schreiben. Was waren bisher die größten Wegmarken Ihrer Karriere?
Alexander Raab: Meine Möbelhistorie zählt ja mittlerweile schon 45 Jahre. Angefangen habe ich als Geschäftsführer und habe die Vertretung der Deutschen Werkstätten hier in Hamburg geleitet. Dann habe ich mich mit dem ersten Ligne-Roset-Studio in Deutschland selbständig gemacht, später kam noch ein zweites dazu. 1986 ging es dann mit Clic los – damals am Neuen Wall, der ja seiner­zeit ein richtiger Einrichtungs-Boulevard gewesen ist. Clic lag direkt gegenüber von Bornhold, so dass wir von dessen Kunden profitieren konnten, die auch zu uns kamen. Dann stiegen die Mieten in der City immer höher und wir mussten uns etwas Neues einfallen lassen. So begann 1996 dann die Stilwerk-Phase, die für uns nun zu Ende geht.
Sie haben das Stilwerk damals mit­konzipiert.
Ja, ich habe mit Bernhard Garbe, dem ­Vater von Alexander Garbe, einen kongenialen Partner gefunden. Acht Jahre lang war ich mit dabei, um auch Berlin und Düsseldorf als Stilwerk-Standorte zu entwickeln. Vor dem Projekt in Stuttgart bin ich dann ausgestiegen und habe mich nur noch um Clic gekümmert.
Das war dann auch eine jahrelange Erfolgsgeschichte auf 1.200 qm als größter Mieter im Stilwerk.
Clic ist ein Mehrmarken-Shop im ­gehobenen Segment, der gut funktioniert. Später haben wir noch den Cor-Interlübke-Shop übernommen und einen Rolf-Benz-Store im 4. Stock des Stilwerks eröffnet. 2019 haben wir dann hier in den Stadthöfen den Poliform-Store gestartet, in dem wir uns gerade unterhalten. Insgesamt beschäftigen wir an allen vier Standorten 36 Mitarbeiter.
Warum verlassen Sie mit Clic nun das Stilwerk?
Das Stilwerk ist nach wie vor ein wunder­bares Gesamtkunstwerk, aber es hat sich verändert. Als Mieter habe ich keinen Einfluss auf meine Nachbarn. Die Grundidee war seinerzeit, dass alle ­Anbieter auf einer Niveaustufe eine bestimmte Klientel mit verschiedenen Produkten, ­Kollektionen und Marken ansprechen – quasi eine stationäre Plattform-Strategie im Hochwert-Segment. Das ist heute nicht mehr unbedingt so. Begonnen hat es, als die ersten Onliner 2013 ihre Showrooms eröffnet ­haben. Die Kunden unseres Nachbarn waren dann nicht mehr automatisch unsere Kunden. Das spricht nicht gegen das Stilwerk, weil es durch den Angebots-Mix sehr wahrscheinlich mehr Kunden erreicht. Das zeigt ja auch die gute Mietsituation dort. Und mit dem Cor-Interlübke-Store ­werden wir ja auch im Stilwerk bleiben. Aber für Clic gilt, dass wir uns strategisch woanders hin entwickeln möchten. In Bezug auf den Rolf-Benz-Shop haben wir noch keine Entscheidung getroffen.
Was hat es nun mit den Stadthöfen auf sich?
Das Stadthaus entstand 1814 als Sitz der Stadtverwaltung und der Polizei in ­Hamburg, zwischen dem Neuen Wall und dem Bleichenfleet. In der Zeit des Nationalsozialismus diente das Gebäude als Zentrale der Hamburger Gestapo, nach dem 2. Weltkrieg beherbergte es die Baubehörde und die ­Senatsverwaltung für Umweltschutz. Die ­Privatisierung des Komplexes und sein Umbau zu einem Hotel, mittlerweile vier ­Restaurants und vielen Einzelhandels­flächen wurde von der Quantum AG mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt.
Auch bei diesem Projekt waren Sie sehr früh mit einbezogen.
Vor neun Jahren hat der Quantum-Vorstand etwa 15 Hamburger Kaufleute aus allen Bereichen eingeladen und gefragt, ob sie sich an dem Projekt beteiligen möchten und ­welche Flächen dafür benötigt würden. Seitdem bin ich Teil dieses Projekts, das mich sehr begeistert. Es zeichnet die Gesellschafter aus, dass sie nichts überstürzen und sich die Zeit nehmen, die es braucht, um Quartiers-Entwicklung als kuratiertes Areal zu betreiben. Das ist heute nicht selbstverständlich.
Wie darf man sich den Clic-Store vorstellen, der Mitte 2021 hier eröffnen soll?
Wir werden dafür drei Flächen zusammenlegen, sodass wir insgesamt auf 1.250 qm kommen, also etwas mehr als jetzt im Stilwerk. Allerdings wird die Ausnutzung hier etwas besser sein, weil wir weniger Treppen und Säulen beachten müssen.
Welches Potenzial sehen Sie in den Stadthöfen?
Das Areal bietet enorme Chancen. Wenn die Hamburger den Standort erst auf dem Radar haben, werden wir auch viele neue Kunden ansprechen können. Zudem erfährt die gesamte Innenstadt ja gerade eine enorme Aufwertung im Design-Segment: Ob ­Occhio am Rathausmarkt, Carl Hansen in der ABC-Straße oder USM im Finnland-Haus – wir sprechen hier in ­einem sehr engen Radius dieselbe Klientel an. Ich könnte mir deshalb auch vorstellen, dass die gehobenen Einrichtungsanbieter gemeinsam versuchen, die Kunden anzusprechen. Es sind Menschen, die Beratung wünschen, Planungsleistungen nachfragen und eine attraktive Einkaufsatmosphäre schätzen. Die City-West bietet Kultur, Gastronomie und Einzelhandel auf einem ganz hohen Niveau. Darin liegt das Potenzial für Poliform und Clic hier in den Stadthöfen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden arcade. Sie wollen arcade regelmäßig lesen (Print & Digital)? Dann lohnt sich ein Abo jetzt besonders! Denn es gibt kostenlos ein attaraktives Heatme-Wärmekissen dazu: https://www.arcade-xxl.de/news/26540




Das könnte Sie auch interessieren...

Dienstag, 07. Oktober 2014, 14:35 Uhr
Inhouse in Dortmund

Stilwerk übernimmt

Überraschende News aus dem Handel: Das seit sechs Jahren in Dortmund direkt an der B1 beheimatete Einrichtungscenter Inhouse weht ab 1. November 2014 unter neuer Flagge. Die Marke Stilwerk wird sow... weiter

Mittwoch, 08. März 2017, 13:30 Uhr
Home24

Eröffnet Showroom im Berliner Stilwerk

Erstmals unter der Marke Home24 bringt der gleichnamige Online-Player einen eigenen Showroom in Berlin ans Netz. Ab Samstag, 11. März, wird das Unternehmen im Stilwerk in der Kantstraße eine Fläche... weiter

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet. Mehr Infos