Donnerstag, 29. April 2021, 08:48 Uhr
Reform-Gründer Jeppe Christensen & Michael Andersen im Interview

„Wir stellen den Status Quo in Frage“

Designküchen zu einem erschwinglichen Preis einem breiten Publikum zugänglich machen. So lautet das Ziel der Reform-­Gründer Jeppe Christensen und Michael Andersen. Dabei können ihre Designs mit den „Metod“-Modulen von Ikea kombiniert werden. Mit welchen Designern die Dänen zusammenarbeiten, wie sie die traditionelle Küchenindustrie herausfordern und warum das Ziel, ein Milliardenunternehmen zu werden, nicht utopisch ist, haben sie im arcade-Interview verraten.

Herr Andersen, Herr Christensen: Was hat Sie auf die Idee zur Gründung von Reform gebracht? Welches Geschäftsmodell stand hinter der Gründung?
Michael Andersen: Gemeinsam bemerkten wir ein wachsendes Interesse an maßgefertigten Schreiner-Küchen, stellten aber schnell fest, dass die Preisspanne solcher Küchen oft weit über dem Budget der meisten Menschen lag. Einerseits von Neugierde und andererseits dem Wunsch getrieben, großartiges Design einem möglichst breiteren Publikum zugänglich zu machen, haben wir dann Reform gegründet. Bis heute verstehen wir unsere Mission darin, die traditionelle Küchenindustrie zu verändern, herauszufordern und gleichzeitig die Grenzen dessen zu verschieben, was Menschen mit Küchen-Design verbinden.
Jeppe Christensen: Wir entwickeln Küchen, die dazu entworfen sind, wirklich benutzt und „genossen“ zu werden – jeden Tag. Dabei wollen wir die Konformität der Küchen-
Branche herausfordern, immer wieder die kulturellen Aspekte erforschen und inspirierende, neue Perspektiven schaffen, wie wir in unseren Küchen-Räumen leben und arbeiten. Wir sind sowohl in der Formgebung wie auch in der Funktionalität innovativ, indem wir mit neuen sowie traditionellen Materialien und Methoden experimentieren und diese (neu) kombinieren, um den Bedürfnissen unserer Zeit gerecht zu werden. Wir stellen den Status Quo in Frage.

Das heißt konkret: Was wollen die Kunden wirklich?
Christensen: Ein cooles Design, das sich perfekt in das Herz des Zuhauses einfügt und ein grünes Profil hat.

Wie erfolgt die Auswahl der Designer:innen, mit denen sie zusammenarbeiten?
Andersen: Wir sind große Fans all unserer Designer:innen und Architekt:innen und suchen nicht nur nach den bekanntesten, sondern vor allem nach denen, die auf ihrem Gebiet wirklich talentiert sind. Es ist ein langer Prozess, zu entscheiden, mit wem wir zusammenarbeiten. Aber am Ende hängt es davon ab, ob wir glauben, dass mit der Zusammenarbeit etwas Neues und Außergewöhnliches in unser Portfolio eingebracht wird. Und natürlich ist es uns sehr wichtig, dass wir die Leidenschaft für Design teilen und wir gegenseitig zu unserer Marke passen.
Christensen: Wir arbeiten nur mit Gestalter:innen zusammen, die eine Ästhetik haben, an die wir glauben und die uns gefällt. Ich persönlich war schon ein Fan von vielen unserer Kreativen, bevor sie eine Küche für uns gemacht haben. Also wählen wir irgendwie auch aus dem Bauch heraus aus.
Andersen: Nachdem wir uns entschieden haben, welche Designer:innen wir fragen, haben wir das Glück, dass uns nur sehr wenige Absagen erteilen. Sie alle sind der Meinung, dass es die perfekte Kombination ist, etwas sehr Cooles und gleichzeitig Erschwingliches zu machen.

Was ist wichtiger: innovatives Design oder innovative Vertriebswege?
Christensen: Beides ist wichtig. Wir unterscheiden uns von anderen Küchen-Marken vor allem dadurch, dass wir uns als Design­marke verstehen und von unserem innovativen Anspruch getrieben werden.

Wie ist ihre Geschäftsbeziehung zu Ikea? Gibt es einen Vertrag?
Andersen: Es gibt keinen Vertrag mit Ikea. Wir waren zu Beginn mit Ikea in Kontakt und letztlich begrüßen sie es, wenn Kund:innen zum „Hacking“ ihrer Produkte animiert werden und tun dies mittlerweile selbst – mittelfristig zahlt auch das auf deren Umsatz ein. Mit unserem eigenen Schranksystem und der Optimierung unseres Service-Angebots entwickeln wir uns stetig weiter zum Komplett-Anbieter und lösen uns damit auch mehr und mehr von Ikea. Wir hatten von Anfang an die Vision, eine autarke Designmarke zu sein beziehungsweise zu werden. Auf diesem Weg hat uns natürlich eine weltweit bekannte Marke wie Ikea, die in jedem Land, in jeder Stadt präsent ist, wo wir mit Reform hingehen, beim Einstieg geholfen.

Warum zahlen Menschen für Ikea-Küchen, die dann aber nicht wie Ikea-Küchen aussehen dürfen?
Christensen: Ich denke, dass Ikea ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und weltweit einen guten Ruf genießt, präsent ist und leicht zugänglich. Das Küchendesign ist bisweilen etwas langweilig, oder sagen wir besser angepasst – für diejenigen, die Interesse an Design haben und sich individuell einrichten wollen, gibt es dann Reform.

Wie groß ist ihr Portfolio aktuell?
Christensen: Derzeit bieten wir elf verschiedene Designs an – von unserem neuesten Design „Profile“ von Norm Architects bis zu unserem ersten und momentan noch einzigen Inhouse-Design „Basis“ ergibt sich da ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Wir haben bereits viele weitere Designs mit renommierten und inspirierenden Gestalter:innen in Planung und ich kann soviel verraten, dass in den nächsten 24 Monaten wirklich beeindruckende neue Designs auf den Markt kommen werden.

Sie sagen, Ziel ist es, ein Milliarden-Unternehmen zu werden. Ist dies bei aktuell 14 Mio. Euro Umsatz nicht etwas zu ambitioniert formuliert?
Christensen: Es hängt natürlich davon ab, ob wir über den Umsatz oder den Unternehmenswert sprechen. Wir sind in sechs Jahren ohne Zuschuss von null auf 14 Mio. Euro Umsatz organisch gewachsen. Jetzt haben wir eine Unterstützung von 10 Mio. Euro, um uns schneller auf die nächste Stufe zu bringen. Auf dieser Grundlage sind wir zuversichtlich, dass wir in fünf Jahren 100 Mio. Euro erreichen können und von dort aus weiter wachsen werden.

Das Interview führte Tino Eggert

Das komplette Gespräch lesen Sie in der kommenden arcade, die Ende dieser Woche erscheint. Sie möchten arcade regelmäßig erhalten? Hier geht's zum Print- und Digital-Abo.


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