Freitag, 13. Januar 2017, 18:00 Uhr
CARL HANSEN & SON

Design-Ikonen – weltweit geliebt

1908 gründete der Tischler Carl Hansen im dänischen Odense sein gleichnamiges Unternehmen. Heute wird es in 3. Generation und mit Leidenschaft von seinem Enkel Knud Erik Hansen geführt. Wir haben uns von ihm in den Kosmos der weltberühmten Sitz-Ikonen einführen lassen.
Die Dänen gehören ja be-kanntermaßen zu den glücklichsten Menschen überhaupt. Einer dieser Glücklichen ist Knud Erik Hansen. Der stattliche Däne mit dem freundlichen Lächeln ist CEO von Carl Hansen & Son und ein Enkel des Firmengründers. Seine Lieblingssätze lauten: „Das ist fantas-tisch!“ und „Das ist hervorragend!“. Beide werden wir im Laufe der Werksbesichtigung, zu der wir auf die dänische Insel Fünen gereist sind, noch öfter hören. Die Begeisterung und Leidenschaft Knud Erik Hansens für sein Unternehmen und seine formvollendeten Sitzmöbel ist spürbar und ansteckend. Tatsächlich ist es die pure Freude, live zu erleben, wie unter den geschickten Händen der Handwerker die legendären Entwürfe der Designgeschichte Gestalt annehmen.
Allen voran der weltberühmte ‘CH24 Wishbone Chair’ (auch als ‘Y-Chair’ be-kannt), gefolgt von vielen anderen der bekannten Stühle und Sessel von Hans J. Wegner, der ein enger Freund von Knud Eriks Vater war. Doch auch Entwürfe von Gestaltern wie Frits Henningsen, Ole Wanscher, Tadao Ando und Eoos sind im Programm. Insgesamt 100 verschiedene Modelle. Der ‘Wishbone Chair’, den ­Wegner 1949 entwarf, ist bis heute der Top-Seller. Ausschließlich mit ihm werden etwa 35 % der Umsätze gemacht. 70.000 Stück treten pro Jahr ihre Reise rund um den Globus an. Allein um die Sitzfläche des ‘Wishbone Chair’ herzustellen, braucht ein guter Flechter rund eine Stunde. In Handarbeit. Anders ist es nicht zu machen. 120 Meter gedrehtes Papierseil werden dafür benötigt. Circa drei Wochen braucht es gar, um die 14 Einzelteile, aus denen der Stuhl zusammengesetzt ist – jedes ist unterschiedlich gebogen –, vorzubereiten, zu schleifen und zu montieren. Fährt man am Ende mit der Hand über die organischen Rundungen des Holzes, fühlt es sich so weich an wie feinste Seide. Ein besitzbarer Handschmeichler, an dem auch nachfolgende Generationen noch ihre Freude haben, denn die Sitzfläche hält mindestens 50 Jahre. Und sie kann, sollte es nötig sein, neu beflochten werden.
Ob in Skandinavien, den USA, in Japan, Großbritannien, Deutschland oder Italien: Die Wegner-Entwürfe werden weltweit geschätzt und geliebt. Zwar gehört Deutschland noch nicht zu den Top-Märkten, doch Knud Erik Hansen ist optimistisch und sieht hierzulande „noch viel Luft nach oben“. Und er treibt die Internationalisierung des Unternehmens kräftig voran. Um satte 20 % legt Carl Hansen derzeit jährlich zu. Ein Wachstum, das es für die Produktion nicht immer leicht macht, Schritt zu halten. Denn vieles entsteht nach wie vor in Handarbeit. Unverzichtbar sind allerdings ebenso ­neueste Hightech-Verfahren wie etwa Lasertechnik. Der moderne, beeindruckende Maschinenpark wird laufend ergänzt. „Im kommenden Jahr werden wir noch mal einige Millionen Euro investieren“, so der Unternehmer. Und er schmiedet längst weitere Pläne. So soll in den nächsten zwei Jahren die Produktions­fläche noch einmal erheblich vergrößert werden, um dem Wachstum des Unter-nehmens gerecht zu werden.
Und was wünscht er sich sonst noch für die Zukunft? Dass Carl Hansen & Son in Familienhand bleibt und eines seiner Kinder – zwei studieren derzeit noch – ins Unternehmen einsteigt. „Das wäre fantas-tisch“, sagt er und lächelt.

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